Im Dachzelt durch Madagaskar

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Es wird Zeit für ein neues Abenteuer. Leider bleiben uns nur sechs Wochen Sommerferien, doch diese wollen wir voll und ganz ausschöpfen. Am letzten Schultag steigen wir in den Flieger – Madagaskar wir kommen!

Unseren Lkw Paula können wir auf die Reise leider nicht mitnehmen, sie muss auf ihren nächsten Einsatz noch ein bisschen warten. Doch in Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars, wartet bereits ein ganz besonderes Fahrzeug auf uns: Ein Mazana II, der Marke Karenjy – made in Madagaskar und perfekt auf die hiesigen Straßenverhältnisse angepasst: Guter Überblick, damit man nicht jedes Huhn, das über die Straße läuft, gleich überfährt, Allrad und viel Bodenfreiheit für die wohl sehr schlechten Straßen der Insel. Doch schlafen können wir im Fahrzeug nicht.

„Was hältst du von einem Dachzelt?“, will Thomas wissen.

„Mh. Ich habe noch nie in einem geschlafen. Aber warum nicht. “

Wir recherchieren Größe und Gewicht und uns wird schnell klar, dass es teuer wird, ein Dachzelt nach Madagaskar zu bringen. Was tun? Auf der Abenteuer und Allrad Messe in Bad Kissingen finden wir die Lösung: Ein aufblasbares Dachzelt von Gentletent, das, in seine Einzelteile zerlegt, in zwei Gepäckstücke passt und so im Flieger mitgenommen werden kann. Das madagassische Campingauto ist perfekt!

In den nächsten Wochen wollen wir damit die Insel erkunden und vom südlichsten bis zum nördlichsten Punkt fahren. Ob uns das allerdings gelingen wird, ist mehr als fraglich. Gestern schafften wir in acht Stunden Fahrt gerade einmal 50 Kilometer.

„Die Ostküste ist wunderschön wild und auch ein wenig abenteuerlich.“ – „Die Strecke kann man mit dem Auto unmöglich fahren.“ – „Ja, die Straße ist schlecht, aber machbar. Das Problem sind eher die fehlenden Brücken und die vielen Fährüberfahrten.“

Ja, was denn nun?

Seit drei Tagen holpern wir über die Nationalstraße RN-12A, die uns entlang der Ostküste von Ranomafana bis Fort Dauphin bringen soll. Gerade einmal 400 Kilometer Distanz – und noch immer liegen gut hundert vor uns.

Die Landschaft ist in weiten Teilen unbewohnt. Fächerpalmen und hellgrüne Grasbüschel überziehen die weitläufigen Hügel, die immer wieder den Blick freigeben auf den indischen Ozean, der in der Ferne rauscht. Rechts von uns tauchen die Konturen des Vohimena-Massivs auf, das in Port Dauphin an die Küste stoßen wird. Über Stunden sehen wir keine Menschenseele. Ein, zwei Mal am Tag kommen wir an einem liegengebliebenen Fahrzeug vorbei. Kleine Ansiedlungen gibt es meist nur an den Anlegestellen der Fähren, mit denen wir die breiten Flussmündungen überqueren. Hier wird gebratener Fisch und die für diese Gegend so typischen frittierten, teigummantelten Bananen angeboten. Dazu eine kleine Tasse frischgebrühten schwarzen Kaffee mit Zucker und wir sind wieder fit für die Weiterfahrt. Das Übersetzen mit den Fähren läuft zu unserem Erstaunen sehr zügig ab. Es dauert nie länger als fünf Minuten, dann steht unser orangener Mazana mit Steinen gegen das Wegrollen gesichert auf der wackeligen Plattform. Die Straßen erstaunen uns jedoch ebenfalls. Zum Glück müssen wir nicht mit Paula diese teilweise sehr maroden Brücken passieren. Mit etwa 1,5 Tonnen ist der Karenjy hier klar im Vorteil. Doch der Mazana muss viel leisten, bei den unzähligen Kilometern schlechter Straße. Wobei „schlecht“ den Zustand nur unzureichend beschreibt: Steile, steinige Passagen, Sandpisten von tiefen Gräben durchzogen, knietiefe Schlaglöcher in Teerstraßen, deren ursprünglichen Belag man nur noch erahnen kann, Wasserdurchfahrten und aufgeweichte Schlammpisten. Zur Erinnerung, wir fahren nicht irgendeine abgelegene Nebenpiste, wir fahren auf der „Route Nationale“, der größten Straßenkategorie des Landes.

Und so klammern wir uns wahlweise ans Lenkrad oder an den Haltegriff, den der Mazana nicht ohne Grund besitzt, und holpern durch den Osten Madagaskars, mit sandigem Geschmack im Mund und dem Duft von frischem Kaffee in der Nase.