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Verschiffung. Siebter Akt. Singapur. Juli 2011.

22. September 2011 • Kategorie: Reiseberichte Asien • Kommentare: Kommentare deaktiviert

Der letzte Akt. Nun kommt alles zusammen. Wir haben eine neue Agentur gefunden, den Zeitpunkt für die Verschiffung ab Singapur kannten wir zuvor schon. Wir haben mittlerweile ein neues Carnet per Express aus Deutschland. (Was ist ein Carnet? Siehe Zweiter Akt). Was kann jetzt noch kommen?

Als wir aus Malaysia ausreisen sind wir gespannt, was uns nun erwarten wird. Wird es Probleme geben, weil wir kein eingestempeltes Carnet vorweisen können (siehe Fünfter Akt)?

Nein, nicht im geringsten, wir werden weder nach einem ‘ICP’, noch nach einem Carnet gefragt. Soviel, zum Thema ‘Es ist unmöglich ohne Carnet auszureisen’.

Aber der ganze Aufwand mit dem neuen Carnet war nicht umsonst, denn auch in Singapur ist nach Aussage aller, die wir gefragt hatten, ein Carnet absolut unverzichtbar. Komisch nur, dass wir den dortigen Beamten erst erklären müssen, wie man es ausfüllt. Aber diesmal bestehen wir natürlich darauf, denn wir wollen am Hafen ja nicht wieder vor dem gleichen Problem stehen. Einreise also mit Carnet.

Wie bereits erwähnt, ist das Fahren eines Wohnmobils in Singapur verboten. Von der Grenze bis zum 20 km entfernten Hafen werden wir demnach abgeschleppt und verbringen die letzten Tage bis zur Abgabe des Fahrzeugs auf einem Parkplatz, direkt vor dem Hafengelände. Es dauert ganze drei Tage, bis wir von der Hafenpolizei entdeckt werden. Nun stellt sich heraus, dass nicht nur das Fahren von Wohnmobilen in Singapur verboten ist, sondern auch das Parken. Das heißt, das Parken auf einem Parkplatz. Korrekterweise muss so etwas wie ein Wohnmobil auf der Ladefläche eines Abschleppwagens geparkt werden. Ja genau!

Doch jetzt passiert etwas ganz und gar Unglaubliches, für Singapur wirklich Atemberaubendes. Die Polizisten sehen ein, dass es sich in unserem Fall um einen ’special case’, um eine ‘Ausnahme’ handelt. Zwar muss unser lokaler Agent einen schriftlichen Antrag stellen, in dem er erläutert, wieso und weshalb wir hier parken, aber ab sofort haben wir die offizielle Erlaubnis, auch weiterhin, einfach so, ganz ohne Abschleppwagen, hier auf dem Erdboden stehen zu dürfen.

Um die letzten 20 Meter bis zum Eingang ins Hafengelände zurückzulegen, hört allerdings der ’special case’ auf, hier ist ‘Singapore Law’ wieder unantastbar (siehe Bericht: 20 Meter fürs Gesetz).

Die 20 Meter Aktion

Aber was soll’s, wir sind kurz vor dem Ziel, unser Auto kommt endlich aufs Schiff, wer hätte das noch geglaubt.

Das Fahrzeug muss nur noch ausgezollt werden. Jetzt kommt die Sache, weswegen wir überhaupt hier in Singapur gelandet sind. Wie gut, dass wir ein gültiges, eingestempeltes Carnet besitzen, denn in Singapur läuft ja alles überkorrekt ab. Wir haben alle Papiere, genau so wie sie sein sollen. Alle Verschiffungsdokumente und vor allem: Das eingestempelte Carnet.

Doch dann passiert es! Unser Fahrzeug wird ins Hafengelände gefahren, passiert somit die Landesgrenze von Singapur und keinen interessiert es! Das Fahrzeug fährt in den Hafen und wird vom Zoll glatt übersehen. Erst als wir schon längst im Lagerhaus der Rederei stehen, unseren Autoschlüssel bereits abgegeben hatten und nachfragen, wann denn nun das Carnet benötigt werde, stellt sich heraus, dass dies am Eingang zum Hafen bereits hätte ausgestempelt werden müssen. Das Fahrzeug war somit bereits aus Singapur ausgereist und das Carnet hat keinen Menschen interessiert. Niemanden. Keiner wollte irgendetwas sehen, keine Papiere, nichts. Kein Carnet, keinen Stempel, keinen Blick in das Fahrzeug, nichts.

Nur wegen uns müssen wir das Fahrzeug noch einmal zurück zum Zoll fahren. Nicht wegen des Zolls, sondern weil wir zurück in Deutschland ein Problem bekämen, wenn wir ein eingestempeltes Carnet ohne Ausreisestempel vorlegen. So ein Aufwand und dann hätte das alles keinen Menschen interessiert.

Schlüsselübergabe

MV Endurance

Zwei Tage später steht der Lkw auf dem Schiff mit dem Namen MV Endurance – wie treffend. Keiner schaut rein, keinen interessiert es ob die Unterhosen im Schrank baumeln oder nicht. Alles nur blabla, alles für nichts und wieder nichts. Am gleichen Abend noch legt das Schiff ab. Nach vier Monaten Wahnsinn ist es geschehen: Unser Lkw ist auf dem Weg nach Amerika.

Nachspann.

Rückblickend muss man sagen, dass die Organisation der Verschiffung unseres Fahrzeuges weit mehr Zeit, Nerven und Geld gekostet hat, als wir uns hatten vorstellen können.

Die ‘neue’ Agentur für die Verschiffung aus Singapur hat die Tatsache, dass wir uns aus Zeitknappheit für sie entscheiden mussten, schamlos ausgenutzt. Der Kostenvoranschlag wurde endlos hinausgezögert bis zwei Tage vor Ablegen des Schiffes, als es kein Zurück mehr gab. Uns wurde trotz mehrfacher Bitte keine nachvollziehbare Kostenaufschlüsselung zugesandt. Es ist davon auszugehen, dass wir zusätzlich zu den eigentlichen Verschiffungskosten und der üblichen Vergütung für die Agentur viele hundert Euro in die Taschen des Agenten bezahlt haben.

Das ganze war ein Drama, das hier nur in Ausschnitten dargestellt werden konnte. Vier Monate ein Hin und Her, letztlich über hundert Emails, Telefonate und Termine. Die größten Enttäuschungen waren die vielen Zusagen für Angebote, die alle im Nichts geendet sind. Keine einzige Email mit: ‘Es tut uns Leid, wir können Ihnen nicht weiterhelfen’. Ist denn das so schwer?

Nichts auf der Reise hat uns bisher so beansprucht und derart viel Kopfzerbrechen bereitet wie diese Verschiffung. Wir hatten das Ziel, unser Fahrzeug von Südostasien nach Amerika zu bringen und wir haben es letztlich auch geschafft. Es war nicht einfach, aber es war möglich.

Sollte irgend jemand mit dem Gedanken spielen sein Wohnmobil nach Amerika zu bringen, dann haben wir nur einen Ratschlag: Kauft ein Fahrzeug das in einen Container passt oder verschifft wie alle anderen mit  Seabridge / Grimaldi direkt aus Deutschland.

Verschiffung. Sechster Akt. Kuala Lumpur. Ende Juni 2011.

20. September 2011 • Kategorie: Reiseberichte Asien • Kommentare: Kommentare deaktiviert

Wir verschiffen also mit der Reederei ‘Walenius Wilhelmsen’ von Malaysia in die USA, ein passendes Schiff ist endlich gefunden. Nach sage und schreibe 60 Emails, die bisher hin und her geschickt wurden, haben wir tatsächlich eine vollständig erscheinende Information, wann ein Schiff geht und was es voraussichtlich kosten wird. Noch fehlen uns die notwendigen Papiere zur Verschiffung (siehe Fünfter Akt), aber wir arbeiten daran. Ein neues Carnet ist auf dem Weg.

Kommen wir nun zu den weiteren Details. In welchem Zustand ist das Fahrzeug am Hafen abzuliefern?

Das Fahrzeug muss „sauber“ sein. Das heißt frei von Dreck, Staub, Öl und Fett.

Kein Problem? Oh doch, denn den Unterboden eines 34 Jahre alten Lkws, der gerade 40.000 Kilometer durch Asien gefahren ist, von zentimeterdickem Sediment aus einer Mischung von Dreck, Staub, Öl und Fett zu befreien, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Stundenlang säubern wir den Unterboden mit Hochdruckreiniger, unterziehen ihn einer chemischen Sprühentfettung und legen uns anschließend unter das Auto, um mit Spachtel und Bürste den restlichen Ablagerungen Zentimeter um Zentimeter zu Leibe zu rücken. Besonders das Fett ist hartnäckig, an Blattfedern, Achsschenkeln, allen Gelenken und Wellen klebt es wie Teer. Stunden um Stunden wird gekratzt und geschabt.

Hochdruckreiniger Here we go

Als das Fahrzeug dann endlich, zumindest auf den ersten Blick, „sauber“ ist, bekommen wir eine aktualisierte Liste der Vorgaben. „Sauber“ heißt frei von Dreck und Staub, von Fett ist nichts mehr zu lesen.

Weiter im Text. Das Fahrzeug muss „leer“ sein. Das heißt, sämtliche persönliche Gegenstände müssen in Kisten verpackt und separat zum Fahrzeug in einem Container verschickt werden.

Bitte was? Noch zwei Tage zuvor wurde uns gesagt, wir könnten alles im Auto lassen, das sei kein Problem. Von Freunden, die vor kurzem von Deutschland nach Kanada verschifft hatten, wissen wir, dass sie ihr Fahrzeug „sichtleer“ abliefern mussten. Nun gut, das wäre zu schaffen, aber tatsächlich leer? Das wollen und können wir einfach nicht leisten, denn das würde nicht nur einen enormen Mehraufwand bedeuten, sondern auch enorme Mehrkosten.

Was nun, leer, sichtleer, ganz leer, leer mit Kisten im Auto, leer und Kisten separat oder auch nicht leer, was denn jetzt?

Es heißt: ‘No personal belongings inside the Motorhome’, aber was genau sind ‘personal belongings’? Ist ein Teller ein ‘personal belonging’ oder ein Teil des Motorhomes? Was ist mit Werkzeug, Ersatzteilen, Schaufeln und Sandblechen, Ersatzreifen und Bettzeug? Gehört meine Unterhose zum Motorhome oder ist sie ein davon unabhängiger Gegenstand? Hat es etwas damit zu tun, ob die Dinge fest oder lose im Wohnmobil sind? Muss ich also meine Unterhosen im Schrank festnageln, damit sie bei der Verschiffung im Fahrzeug bleiben können? Es ist zum verrückt werden!

Wird der Inhalt des Fahrzeugs vor Verladung auf das Schiff überhaupt kontrolliert? Soll das Fahrzeug nur zu unserer Sicherheit leer sein, damit aus dem Auto nichts entwendet wird? Geht es um die Einfuhr in die USA, bei der alle eingeführten Gegenstände genau angegeben werden müssen?

Alles in Kisten packen und gesondert Verschiffen oder auf Risiko alles im Auto lassen? Eine Zwickmühle, die uns etliche Nerven kostet. Wir sind kurz davor unsere Route zu ändern, über Land zurück nach Deutschland zu fahren und wie hunderte andere Wohnmobilsten auch, einfach, unkompliziert und für einen Bruchteil der Kosten von Deutschland aus zu verschiffen.

Warum müssen wir die ersten sein, die auf diese Art und Weise mit dem Wohnmobil von Südostasien nach Amerika übersetzen? Jeden Tag eine neue Email, jeden Tag neue Komplikationen. Die Zeit läuft und Tag für Tag wird alles komplizierter und undurchsichtiger. Da tut sich eine letzte Möglichkeit auf.

Bisher hatten wir die Verschiffung direkt von Singapur ausgeschlossen, da man uns mehrfach und an mehreren Stellen versichert hatte, dass die Zollabwicklung in Singapur um einiges komplizierter sei und der Kostenunterschied nur minimal. Dazu kommen mögliche Schwierigkeiten bei der Einfuhr eines Wohnmobils nach Singapur.

Plötzlich erzählt man uns Gegenteiliges in der Logistik-Abteilung von Wilhelmsen in Malaysia. Es sei vielleicht doch besser aus Singapur zu verschiffen. Doch um von Singapur aus verschiffen zu können, brauchen wir eine neue Agentur. Wieder alles von vorne, wieder bei Null anfangen? Oder klappt es doch noch aus Malaysia? Wo auf die schnelle einen geeigneten Ansprechpartner für Singapur finden? Was nun, es bleiben nur noch wenige Tage für diese Entscheidung.

Vor über drei Monaten hatten wir mit der Organisation begonnen, fast jeden Tag waren wir mit der Klärung der Einzelheiten beschäftigt und nun läuft uns die Zeit davon. Wir versuchen Vor- und Nachteile abzuwägen. Sollen wir alles auf Malaysia setzen und am morgigen Tag die knapp 1000 Kilometer lange Fahrt an die Grenze und zurück beginnen? Es ist zum Haare raufen! Vier Monate lang hin und her für die Katz.

Wir müssen nach Singapur. Das spart uns 1000 Kilometer unnötige Fahrt, verspricht doch billiger zu sein, die ganze Verschiffung dauert kürzer und gibt uns noch drei Wochen Spielraum um einen Weg zu finden, wie wir all unser Gerümpel nicht in Kisten packen und gesondert verschicken müssen.

Da wäre nur noch eine Kleinigkeit: Wohnmobile sind in Singapur verboten.

Verschiffung. Fünfter Akt. Kuala Lumpur. Juni 2011.

18. September 2011 • Kategorie: Reiseberichte Asien • Kommentare: Kommentare deaktiviert

Die Freude über die gelungene Einreise ohne Carnet (siehe Zweiter Akt) nach Malaysia währte nur so lange, bis uns unsere Agentur mitteilt, dass eine Zollabfertigung am Hafen ohne Carnet de Passage nicht möglich sei. Da wir nicht verstehen können, wieso eine Einreise, nicht aber eine Ausreise ohne Carnet möglich sein soll, fahren wir zur Klärung dieses Problems direkt dort hin, wo in Malaysia alle Stränge zusammenlaufen: In die malaiische Verwaltungshauptstadt Putra Jaya.

Unterwegs in Putra Jaya

Natürlich erreichen wir Putra Jaya an einem Freitag und die Oberste Königliche Zollbehörde hat bereits geschlossen. Wir parken direkt gegenüber der Behörde und warten dort zwei Tage, bis diese am darauffolgenden Montag wieder ihre Pforten öffnet. Die freundlichen Beamten hören sich unsere Situation an und kommen nach eingehender Beratung zu dem Schluss, dass an der Grenze ein Fehler unterlaufen sei. Man hätte uns unter keinen Umständen ohne Carnet einreisen lassen dürfen. Bei dem ‘ICP’-Dokument handle es sich nicht, wie wir annahmen, um eine Einfuhrerlaubnis, sondern nur um eine Fahrerlaubnis. Was nun?

Wir schlagen vor, ein neues Carnet aus Deutschland zu bestellen und dieses von eben jener obersten, königlichen Zollbehörde einstempeln zu lassen. Nein, das sei nicht möglich, wird uns erklärt, denn ein Carnet könne ausschließlich bei der Einreise eingestempelt werden, nicht jedoch wenn sich das Fahrzeug bereits im Land befände. Nun gut, dann reisen wir eben ohne Carnet aus und lassen es bei erneuter Einreise einstempeln. Aber auch das ginge nicht, denn eine Ausreise, ob über See oder Land, sei ohne zuvor eingestempeltes Carnet nicht möglich.

Wir fassen zusammen:

Ausreise per Schiff ohne eingestempeltes Carnet: Unmöglich.

Ausreise auf dem Landweg ohne eingestempeltes Carnet: Unmöglich.

Aufenthalt im Land ohne eingestempeltes Carnet: Unmöglich.

Da hatten wir zwei Tage damit verbracht, vermeintlich ordnungsmäßig das Fahrzeug nach Malaysia einzuführen und nun erklären uns die durchaus hilfsbereiten Beamten der Obersten Königlichen Zollbehörde, dass es für unseren Fall keine Lösung gebe.

Wir müssten erneut einreisen, um unser Carnet stempeln zu lassen, dürfen zuvor aber nicht ausreisen, weil wir kein gestempeltes Carnet haben. Theoretisch befinden wir uns in einer ausweglosen Situation und in 10 Tagen soll das Fahrzeug auf dem Schiff nach Amerika sein. Nun haben wir endlich einen Termin und einen Kostenvoranschlag und jetzt fehlen die notwendigen Papiere zur Zollabwicklung. Was tun?

Grau ist alle Theorie. Natürlich gehen wir davon aus, dass eine Ausreise über Land an der Grenze zu Thailand, über die wir schließlich auch ohne Carnet eingereist waren, möglich sein wird. Der einzige ersichtliche Ausweg sieht wie folgt aus: So schnell es geht ein neues Carnet in Deutschland beantragen. Dieses per DHL-Express als Luftfracht nach Malaysia schicken. Carnet abholen und mit dem Lkw 480 km zur Grenze fahren. Ausreise ohne Carnet versuchen. Da eine Wiedereinreise am gleichen Tag für Ausländer nicht möglich ist, einen Tag im Niemandsland zwischen Malaysia und Thailand ausharren. Wiedereinreise mit einem Stempel im Carnet. 480 km zurück nach Kuala Lumpur fahren. Na großartig.

In zehn Tagen soll das Schiff auslaufen, allein die Beantragung eines neuen ‘Carnets’ in München wird ein paar Tage dauern. Das wird knapp!

Verschiffung. Vierter Akt. Kuala Lumpur. Juni 2011.

16. September 2011 • Kategorie: Reiseberichte Asien • Kommentare: Kommentare deaktiviert

Immer noch stecken wir fest mit der Organisation der Verschiffung unseres Fahrzeuges. Der nächste Akt des Dramas. Wann legt denn nun ein Schiff ab mit dem wir aus Kuala Lumpur nach USA Verschiffen können?

Petronas Towers Kuala Lumpur

Als Verschiffungsneulinge hatten wir uns das Verschiffen ähnlich wie, sagen wir eine Busreise, vorgestellt. Es gibt einen Zeitplan, auf dem man sehen kann, wann ein Schiff wo abfährt, welche Häfen es anschließend anfährt und was der Transport abhängig vom Fahrzeug kostet. Klingt nicht so kompliziert. Es gibt einen Betreiber der Schiffe, dem teile ich mit wohin ich will und er gibt mir Auskunft über die Möglichkeiten, von welchen Hafen aus dies wann möglich ist und was das kostet.

Weit gefehlt. Der Betreiber gibt gar keine Auskunft, nur die dazugehörigen Agenturen. Jede Agentur ist nur für einen Hafen zuständig, man bekommt daher von Agentur A nur Auskunft über Hafen A, über mehr nicht. Gehen wir es also weiter Schritt für Schritt an. Fragen über Fragen.

-Kann ich mir ein Schiff aussuchen, das zeitlich meinen Vorstellungen am nächsten kommt?

-Nein. Man nennt uns nur ein einziges Angebot für einen einzigen Termin.

- Also gibt es jeden Monat nur ein einziges Schiff der jeweiligen Reederei?

- Nein. Es gibt einige, aber sie werden uns nicht genannt.

- Ok, wir sind mit dem einzig uns bekannten Termin einverstanden und werden an diesem verschiffen.

- Nein, das ist nicht möglich. Das Schiff ist bereits voll.

- Warum wird mir dann dieses als einziges angeboten? Gibt es ein alternatives Schiff?

- Ja. Es gibt ein Schiff von dem uns bisher nichts berichtet wurde. Eine Woche später.

- Ok, wir nehmen dieses.

- Gut, aber dieses Schiff fährt nicht nach Tacoma, wo wir eigentlich hin möchten, sondern nach Los Angeles.

- Wie bitte? Wir möchten aber doch nach Tacoma verschiffen, gibt es kein Schiff nach Tacoma?

- Doch. Es gibt ein Schiff von dem uns bisher nichts berichtet wurde. Weitere fünf Tage später.

- Ok, nehmen wir dieses Schiff.

- Nein, das ist nicht möglich. Dieses Schiff hatte gerade einen Unfall in Europa und wird nicht kommen.

Dieses Hin und Her soll 60 (!) Emails, einige Telefongespräche und eine zweistündige Besprechung mit fünf Personen am runden Tisch dauern, bis wir endlich zwei Informationen haben: Wann fährt ein Schiff, das unser Fahrzeug transportieren kann und was wird uns das kosten.

Hinzu kommt, dass zwischen jeder Frage und jeder Antwort einige Tage verstreichen, denn die zuständige Sachbearbeiterin muss natürlich immer erst Rücksprache halten.

Ähnlich mühsam, wie herauszufinden wann nun ein geeignetes Schiff ablegt, ist es, einen Kostenvoranschlag zu erhalten. Schlicht unmöglich ist hingegen, verschiedene Varianten preislich zu vergleichen. So wollten wir von Anfang an den preislichen Unterschied zwischen einer Verschiffung von Singapur und Malaysia in Erfahrung bringen. Unmöglich.

Dazu muss man folgendes wissen. Von Malaysia aus wird das Fahrzeug auf ein Zubringer-Schiff geladen, welches das Fahrzeug zunächst bis nach Singapur bringt. Dort wird das Fahrzeug entladen und wartet auf dem Hafengelände bis die eigentliche Fähre in die USA startet. Logischer Weise müsste es daher billiger sein, direkt von Singapur zu verschiffen. Doch sowohl in Bangkok, als auch in Malaysia versichert man uns, dass es sich nur um wenige hundert Dollar handle und man diese durch günstigere Hafengebühren in Malaysia wieder einsparen würde. Die Zollabwicklung sei dagegen in Singapur deutlich aufwändiger und das würde man uns nicht empfehlen. Trotzdem bitten wir immer wieder um einen Kostenvoranschlag für eine Verschiffung aus Singapur, ohne jeden Erfolg.

Konzentrieren wir uns also auf Malaysia. Wir haben die Papiere, einen Termin und einen Kostenvoranschlag. Alles für die Verschiffung von Malaysia in die USA steht fest. Es bleiben nur noch Einzelheiten zu klären und dieses Drama nimmt endlich ein Ende.

Von Wegen. Wenige Tage später sollte es soweit sein, dass wir schon mit dem Gedanken spielen doch über den Landweg wieder zurück nach Deutschland zu fahren.

Verschiffung. Dritter Akt. Kuala Lumpur. Juni 2011.

14. September 2011 • Kategorie: Reiseberichte Asien • Kommentare: Kommentare deaktiviert

Dank unserer Recherche in Bangkok hatten wir eine mögliche Reederei gefunden, die unser Fahrzeug per Ro/Ro-Verschiffung nach Nordamerika bringen könnte. Etliche Wochen nach dem ersten Kontakt haben wir endlich einen vorläufigen Kostenvoranschlag, denn die Preise sind abhängig vom Ölpreis und werden monatlich aktualisiert. Da das Verschiffen von Südostasien nach Nordamerika viel Geld kostet, wollen wir uns nicht auf ein einziges Angebot verlassen, denn der preisliche Unterschied zwischen den Reedereien kann mehrere tausend Euro betragen.

Also machen wir uns, in Kuala Lumpur angekommen, auf den Weg zum Hafen, um weitere Angebote einzuholen. Als wir nach zwei Stunden Fahrt mit diversen öffentlichen Verkehrsmitteln in ‘Port Klang’ ankommen, hat die Hitze gerade ihr alltägliches Hoch erreicht. Bei weit über 40° in der Sonne laufen wir das Hafenviertel auf und ab, in der Hoffnung, die ein oder andere Agentur zu finden.

Wir entdecken ein vielversprechendes Firmenschild und finden das dazugehörige Büro im dritten Stock eines abrissfertigen Häuschens. Eine Frau mit unglaublich leiser Stimme nimmt unser Anliegen auf und verspricht, sich innerhalb von drei Tagen bei uns zu melden. Klingt ganz nach einem Bangkok-Deja-Vu (siehe Erster Akt).

Agentur 625  Deja Vu

Wenig ermutigt treten wir wieder auf die Straße. Das scheint einer dieser Tage zu werden, die man sich auch einfach hätte sparen können. Aber wir haben keine andere Wahl, wir müssen die Gelegenheit nutzen, um wenigstens ein weiteres Angebot in Erfahrung zu bringen.

Wir laufen um die nächste Ecke und stoßen auf eine kleine Agentur. Als man endlich unser Anliegen verstanden hat, werden wir gebeten kurz zu warten, eine Partneragentur sei für solche Fälle spezialisiert, es würde gleich der zuständige Ansprechpartner kommen. Spezialisiert kling gut, ein Glückstreffer?

Und tatsächlich, kaum sind fünf Minuten vergangen, erscheinen zwei junge Chinesen im glänzenden Anzug und strecken uns ihre Visitenkarten von ‘Star Ships – We make shipping easier’ entgegen. Engagiert erzählen sie, eine Verschiffung von hier in die USA sei überhaupt kein Problem, sie hätten viel Erfahrung in diesem Bereich, alle paar Monate hätten sie mit Reisenden wie uns zu tun. Sie bekämen auch immer wieder Postkarten geschickt von den Reisenden, die schon mit ihrer Agentur verschifft hätten. Innerhalb von zwei Tagen sollen wir ein Angebot bekommen.

Wow! Unsere Laune bessert sich schlagartig, vielleicht war der Ausflug an den Hafen ja doch für etwas gut. Wir statten trotzdem noch ein paar weiteren Agenturen ein Besuch ab, bevor wir einigermaßen zufrieden mit den vorläufigen Ergebnissen dieses Tages nach Kuala Lumpur zurückkehren. Jetzt also nur noch zwei, drei Tage warten und das erste Vergleichsangebot einer erfahrenen Agentur flattert in den Posteingang.

Nein, nicht ganz. Die Frau mit der unglaublich leisen Stimme schreibt uns nach zwei Tagen immerhin, dass sie noch etwas Zeit benötigt. Wir warten noch heute auf ihr Angebot.

Die eifrigen Jungs von ‘Star Ships – We make shipping easier’, die beiden mit der vielen Erfahrung, die beiden Spezialisten, lassen erst einmal nichts von sich hören. Nach zwei Tagen nichts. Auch nach fünf Tagen nichts. Nach einer Woche fragen wir telefonisch nach und erhalten vier Wochen später einen völlig willkürlichen und sinnlosen Kostenvorschlag. ‘Verschiffung Malaysia nach USA: 16.500 Dollar’. Die Postkarten haben Sie sich wahrscheinlich selbst geschrieben.

Nun gut, wir haben versucht was wir konnten. Wir haben vor drei Monaten begonnen eine geeignete Reederei zu finden. Wir haben in Bangkok und Kuala Lumpur unzählige Agenturen abgelaufen, wieder und wieder unsere Geschichte erzählt, haben Tage damit zugebracht, die notwendigen Informationen über unser Fahrzeug per Email an sämtliche Agenturen weiterzuleiten und sind jetzt, drei Wochen vor dem Verschiffungstermin noch keinen Schritt weiter gekommen.

Immerhin haben wir den Kontakt zu Wilhelmsen in Bangkok, doch auch nach unzähligen Emails steht noch immer nicht fest, wann, wie, und von wo nach wo. Die Uhr tickt.

Verschiffung. Zweiter Akt. Malaysia. Mai 2011.

12. September 2011 • Kategorie: Reiseberichte Asien • Kommentare: Kommentare deaktiviert

Reist man mit dem Fahrzeug von Land zu Land, so kann man nie genau wissen, was einen an der nächsten Grenze erwartet. Dauert die Einreise mehrere Stunden wie in Kasachstan, oder nur wenige Minuten wie in Kambodscha. An der Grenze zu Usbekistan wurde der Lkw genau inspiziert, an der russischen Grenze sogar komplett geröntgt, während der laotische Zollbeamte das Fahrzeug nur aus der Ferne sehen wollte. Und all dies kann eine Stunde später schon wieder anders verlaufen, denn dann ist der Beamte vielleicht gerade müde oder gelangweilt oder schlimmer, besonders motiviert. Egal wie gut man sich vorab informiert, man kann nie wissen, was einen erwartet. Ähnlich verhält es sich mit der Verwendung des ‘Carnet de Passages’.

‘Carnet, Carnet, Carnet’, alle sprechen immer von ‘Carnet’. Was ist denn überhaupt ein ‘Carnet’? Ein Carnet ist ein Zolldokument, das den vorübergehenden Import eines Fahrzeugs in ein Reiseland erleichtern soll. Vereinfacht ausgedrückt funktioniert es wie ein Pass für das Fahrzeug, der bei Einreise eingestempelt und bei Ausreise ausgestempelt wird. Ein Carnet gilt allerdings nur zwölf Monate lang. Um solch ein Zolldokument zu bekommen, muss man beim ADAC eine Kaution hinterlegen, die man erst wieder ausgehändigt bekommt, wenn man vorweist, dass das Fahrzeug wieder im Heimatland ist.

Carnet de Passages

Allerdings sind nur wenige Länder an dieses Zollabkommen angeschlossen. Bisher benötigten wir das Carnet lediglich für Iran, obgleich an manchen Grenzen aus reiner Bequemlichkeit danach gefragt wird, denn es enthält alle technischen Daten des Fahrzeugs. Wenn der Grenzbeamte sich also nicht sicher ist, ob er als Farbe des Fahrzeugs grau, beige oder hellelfenbein in den Computer tippen soll, dann wird gerne mal nach dem Carnet gefragt, obwohl es eigentlich nicht notwendig ist. Berichten andere Reisende also davon, dass ein Carnet an der Grenze verlangt wurde, so kann es entweder tatsächlich notwendig sein, oder es wurde nur aus Bequemlichkeit danach gefragt. Klingt langweilig? Dann stelle man sich vor, man organisiert monatelang eine Verschiffung und darf dann nicht in das entsprechende Land einreisen, weil etwas mit dem Carnet nicht stimmt.

Wie verhält sich dies nun mit Malaysia. Natürlich haben wir uns vorab über die Einreiseformalitäten erkundigt, schließlich wollten wir ja von Kuala Lumpur aus verschiffen. Laut ADAC ist die Einreise nach Malaysia über Land ohne das ‘Carnet de Passages’ möglich, während man bei Einreise über den Seeweg eines benötigt.

Da wir über Land einreisen und über den Seeweg ausreisen, sind wir nun davon ausgegangen, dass dies ohne Carnet möglich sein wird. Der Hauptzweck eines Carnets ist es schließlich sicherzustellen, dass das Fahrzeug wieder ordnungsgemäß ausgeführt wird. Daher dürfte es bei einer fristgerechten Ausreise ob mit oder ohne Carnet sinnigerweise keine Zollkomplikationen geben. Einreise ohne Carnet – Ausreise ohne Carnet, klingt logisch.

An der malaiischen Grenze erklärt man uns, dass die Einreise ohne Carnet möglich sei, wir sollen lediglich ein ‘International circulation permit’, ein ‘ICP’ beantragen. In vielen Ländern, die nicht mit dem Carnet de Passages arbeiten, wird für das Fahrzeug eine zeitlich begrenzte Einfuhrgenehmigung erteilt. Ganz nebenbei: Einfuhrgenehmigung, auch etwas mit dem wir uns an jeder Grenze neu auseinandersetzen müssen. Die Grenze nach Malaysia ist mittlerweile die einundzwanzigste, die wir mit dem Fahrzeug passieren. Wir gehen also davon aus, dass es sich bei einem ‘ICP’ um eine solche Einfuhrgenehmigung handelt und freuen uns über diese Möglichkeit der Zollabfertigung, da unser Carnet bereits abgelaufen ist und eine Nachsendung eines neuen Carnets mit unnötigen Kosten verbunden wäre.

Natürlich erzählen wir den Beamten an der Grenze von unseren Verschiffungsplänen und fragen immer wieder nach, ob ein ‘ICP’ ausreicht, um die Zollabfertigung am Hafen zu gewährleisten. Ja, natürlich, kein Problem. ICP zur Einreise – ICP zur Ausreise, kling logisch.

Doch noch haben wir kein ‘ICP’, denn dieses wird nur ausgestellt, wenn man eine malaiische Fahrzeugversicherung nachweisen kann. An den meisten Grenzen, an denen ein Nachweis einer Versicherung erbracht werden muss, gibt es auch Versicherungsbüros. So auch an dieser Grenze, prima. Allerdings nur für Pkws, nicht für Lkws. Und darüber hinaus kommt uns das Versicherungsbüro auch ziemlich dubios vor. Also keine Versicherung, das heißt kein ICP, das heißt keine Einreise. Was nun?

Durch Wolfgang wissen wir von Gisela und Lorenz, die vor wenigen Wochen ebenfalls ohne Carnet und mit Lkw nach Malaysia eingereist sind und versuchen diese telefonisch zu erreichen. Wir haben Glück, erreichen die beiden und bekommen den Namen ihres Versicherungsbüros. Der freundliche junge Mann in der Touristeninformation gegenüber telefoniert für uns. Die zuständige Mitarbeiterin ist im Moment nicht zu erreichen, es gäbe aber im gleichen Ort noch ein Büro, das uns vielleicht helfen kann.

Die Versicherungsvertretung befindet sich in Alor Setar, 40 km von der Grenze entfernt in Malaysia. Erstaunlicher Weise dürfen wir ohne jede malaiische Fahrzeugregistrierung nach Alor Setar fahren, um jene Versicherung abzuschließen, die notwendig ist, um das ICP zu bekommen, das notwendig ist, um eine Fahrzeugregistrierung zu bekommen, die wiederum notwendig ist, um mit unserem Fahrzeug in Malaysia fahren zu dürfen. Logisch, oder? Ich liebe Asien.

Um diese ‘Lösung’ zu finden haben wir den ganzen Tag an der Grenze gebraucht und das Versicherungsbüro hat schon geschlossen. Wir übernachten an der Grenze und machen uns am nächsten Morgen auf den Weg. Den Tag verbringen wir damit sechs Stunden in einem Versicherungsbüro auf eine Versicherungspolis zu warten. Als wir am frühen Abend zur Grenze zurückkehren, ist bereits Schichtwechsel und die nun anwesenden Beamten wissen von nichts. ICP? Versicherung? Wir erklären alles lang und breit und sie bitten uns, bis zum nächsten Morgen zu warten. Wir schlafen noch eine Nacht an der Grenze, aber dann ist es tatsächlich soweit, nach zwei Tagen halten wir das ICP in Händen. Ein riesiger Aufwand aber nun ist alles klar, wir haben alle Dokumente für die Abwicklung der Verschiffung aus Malaysia. Fehlt nur noch eins: Ein passendes Schiff.

Verschiffung. Ein Drama in sieben Akten.

10. September 2011 • Kategorie: Reiseberichte Asien • Kommentare: Kommentare deaktiviert

In unserem Blog berichten wir von dem Leben in der Fremde, von netten Begegnungen, beeindruckender Architektur, atemberaubenden Landschaften. Das klingt oft nach niemals endendem Urlaub, in dem ganz von selbst eins zum anderen kommt. Doch ganz so einfach ist es nicht. Eine solche Reise bedarf auch einiger Organisation. Mal weniger, mal mehr, doch manchmal ganz besonders, und solch eine Phase haben wir gerade hinter uns. Eine Verschiffung von Kontinent zu Kontinent, auf einem Weg den noch keiner zuvor beschritten hat, bedeutet weit mehr Aufwand, als wir uns vorstellen konnten.

In der kommenden Reihe ‘Ein Drama in sieben Akten’ wollen wir in sieben Episoden auf diesen manchmal nervenaufreibenden Aspekt der Reise eingehen, der uns ganze vier Monate lang fast Tag um Tag beschäftigt hat. Und falls das Lesen dieser nicht enden wollenden Geschichte langweilen sollte, dann ist dies ein erster Vorgeschmack darauf, wie es uns ergangen ist.

Verschiffung. Erster Akt. Bangkok. April 2011.

Der Globus rollt unter unseren Rädern hindurch, Europa, Asien, der Ferne Osten, Südostasien, das Ende des Kontinents rückt immer näher. Wir werden fahren so weit es geht, doch irgendwann müssen wir gezwungenermaßen auf ein Schiff, wollen wir den Weg nach Osten fortsetzen. Ein Frachtschiff muss her.

Wie und wo fängt man mit der Recherche an? Am einfachsten, man fragt jemanden, der so etwas schon einmal gemacht hat. Also durchkämmen wir das Internet nach Reisenden, die vor uns diesen Weg beschritten haben. Doch weder in Reiseblogs, noch in Reiseforen werden wir fündig, es scheint niemand bisher ein Reisemobil per ‘Roll on / Roll off’ von Südostasien nach Amerika verschifft zu haben. Warum eigentlich per Roll on / Roll off (kurz: Ro/Ro) und nicht in einem Container? Nun, das mussten wir auch erst einmal lernen. Unser LKW ist zu groß für jede Art von Container und zu breit für einen sogenanntes ‘Flat-Rack“, wodurch die zwei einfacheren Varianten der Verschiffung ausscheiden. Was bleibt, ist eine Ro/Ro-Fähre, eine Art schwimmendes Parkdeck, nur davon gibt es nicht so viele.

Da es für uns zweitrangig ist, ob wir von Bangkok, Kuala Lumpur oder Singapur aus verschiffen, starten wir mit unserer Suche nach einer geeigneten Reederei bald möglichst und das ist in Bangkok. Doch wo anfangen, wenn man sich zuvor noch nie mit der Verschiffung von Fahrzeugen beschäftigt hat? Wo sollen wir beginnen?

Wir setzen uns ins Taxi und machen uns auf den Weg zu den größten Reedereien der Welt. Diese befinden sich in Bangkok vorzugsweise in den obersten Stockwerken moderner Wolkenkratzer. Über unser Erscheinen ist man dort verständlicherweise etwas erstaunt, denn unsere Antwort auf die Frage, wie viele Einheiten wir denn verschiffen wollen, lautet ‘eine’. Gewöhnlicherweise laufen dort Mitarbeiter von Toyota oder Nissan ein, um Aufträge für den Transport von 20.000 – 30.000 Fahrzeugen abzuwickeln. Und so schickt man uns weiter, zu Speditionen und sogenannten ‘Forwardern’. Doch auch dort sind wir ein ungewöhnlicher Kunde und werden weitergeschickt. Von A nach B nach C, bis wir schließlich nach zig weiteren Taxifahrten am Ende des ersten Tages unserer Recherche in einer größeren Garage landen, in der gerade bunt bemalte Buddhafiguren aus Wachs in Holzkisten verpackt werden. Also ob wir hier richtig sind? Man versichert uns, sich unserem Fall anzunehmen, und sich in wenigen Tagen in jedem Fall zu melden. Letztlich meldet sich natürlich kein Mensch bei uns.

Agentur 625

Das ganze wiederholt sich so oder so ähnlich eine ganze Woche lang, bis wir unsere Liste an Agenturen und Reedereien abgearbeitet haben. Wir bekommen Unmengen an Visitenkarten in die Hände gedrückt und nicht weniger Versprechen, sich bei uns in den nächsten Tagen mit einem Angebot zu melden. Bei manchen Kundenbetreuern weiß man gleich, dass das nichts werden wird, andere jedoch wirken äußert kompetent und zuverlässig. Tag für Tag das gleiche Spiel. Mit dem Taxi in die Stadt, Wolkenkratzer rauf, Visitenkarten tauschen, eine Stunde lang unsere Geschichte erzählen, Zusage für eine Rückmeldung innerhalb von zwei Tagen, Wolkenkratzer wieder runter, Taxi, nächste Agentur, Visitenkarten, Zusage einer Rückmeldung und so weiter. Tag für Tag das gleiche Lied. Rückmeldungen? Fehlanzeige.

Aus dieser Menge an Reedereien und Agenturen, Forwardern und Umzugsunternehmen antwortet nur eine einzige: Walenius Wilhelmsen. Es sei möglich unser Fahrzeug von Südostasien nach Amerika zu verschiffen. Von Bangkok und auch von Malaysia aus. Wir wissen weder wann, wie oder wohin, aber es ist möglich. Es bleiben drei Monate, um die Einzelheiten zu klären. Genug Zeit, so dachten wir.

Sumatra. Ohne Fasten durch den Ramadan.

07. September 2011 • Kategorie: Reiseberichte Asien • Kommentare: Kommentare deaktiviert

Kaum in Sumatra angekommen, erfahren wir, dass der muslimische Fastenmonat Ramadan kurz bevorsteht. Einen Monat lang nehmen gläubige Muslime von Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang weder Essen, noch Flüssigkeit zu sich. Vor Jahren war ich zu Ramadan in Damaskus gewesen, doch durch die vielen dort lebenden Christen, bedeutete dies als Tourist kaum Einschränkungen, im Gegenteil, ich kann mich an leckere arabische Abendbuffets erinnern. Doch wie ist das in Sumatra?

Ramadhan 2011

Es gibt einige Gebiete, die christlich dominiert sind, wie die Gegend um den Lake Toba oder solche, in denen der Tourismus weit verbreitet ist. Dort muss man sich als Nicht-Fastender keine großen Gedanken um seine Verpflegung machen. Anders jedoch im Norden des Landes, in der Region Aceh. Hier ist die muslimische Religion tief verwurzelt und so ist nicht nur das Konsumieren, sondern auch der Verkauf von Lebensmitteln nur zu bestimmten Zeiten gestattet. Trinken oder gar Essen während des Tages ist selbst für Touristen in der Öffentlichkeit untersagt. Überhaupt sind die meisten Geschäfte geschlossen, denn in dieser Zeit soll auch nicht gearbeitet werden. Soweit die Regeln, sehen wir uns die Wirklichkeit an.

Die Menschen auf Sumatra leben in einfachen Verhältnissen. Wer bitte kann es sich leisten, einen Monat nicht zu arbeiten? Es gibt keinen bezahlten Urlaub, wer nicht arbeitet, verdient nicht. Welches Hotel kann seine Gäste ab fünf Uhr morgens bis abends um 19 Uhr hungern zu lassen? Richtig, keines. Und so werden diverse Möglichkeiten gefunden, den Regeln ein Schnippchen zu schlagen. Zur Zeit des Ramadan bedeutet ein mit Brettern verschlossenes Restaurant keineswegs, dass es geschlossen ist. Eine Hintertür und ein Wohnzimmer machen es möglich und schon läuft der Laden wieder. Der Verkauf und Genuss von Bier steht selbst abends unter hoher Strafe und so wird es kurzerhand statt in der Dose im Saftglas serviert. Mmmmh, lecker, selten einen so kräftigen ‘Apfelsaft’ getrunken. Und wie funktioniert das Ganze in den Hotels? Ganz einfach, das Essen wird tagsüber nicht im Restaurant serviert, sondern mit aufs Zimmer genommen, wo es in Ruhe verspeist werden kann. Kein Grund zur Sorge also und vor allem kein Grund, während des Ramadan nicht nach Sumatra zu reisen, ganz im Gegenteil.

Ein besonderes Erlebnis ist es in dieser Zeit mit dem Nachtbus zu reisen. Etwas Geduld muss man allerdings mitbringen, denn die geplante Abfahrtszeit um 19 Uhr, wird außer von uns, von allen anderen Fahrgästen hartnäckig ignoriert. Schließlich beginnt jetzt gerade die erlösende Abenddämmerung und es kann endlich wieder nach Herzenslust getrunken und gespeist werden. Eine Stunde später haben alle gegessen und der Bus setzt sich langsam in Bewegung, immer bereit noch den ein oder anderen Fahrgast am Straßenrand einzusammeln. Doch ist der Bus erst einmal voll, gibt es kein Halten mehr. Mit atemberaubender Geschwindigkeit sausen wir durch die Dunkelheit. Wir sind froh nicht in der ersten Reihe zu sitzen, denn die waghalsigen Überholmanöver würden uns den letzten Schlaf rauben. So aber schlummern wir vor uns hin, bis kurz vor 3 Uhr Morgens der Bus plötzlich anhält und sich schlagartig leert. Auch wir steigen aus und finden uns verschlafen an einem Rasthof wieder, in dem zu so unchristlicher Zeit schon reges Treiben herrscht. Hier wird Omelett gebraten, getrocknete und frische Früchte verkauft, am nächsten Stand gibt es allerlei Getränke. Ein umfangreiches Essensbuffet bietet gebratenen Fisch und eingelegtes Gemüse feil. Langsam begreifen wir, dass wir uns inmitten eines Ramadan-Frühstücks befinden. Noch bevor der Muezzin den neuen Tag einsingt, wird sich mit säuerlichen Speisen, heißem Wasser und süßem Tee für den nahenden Fastentag gewappnet.

Ramadan Drei Uhr morgens

Ramadhan Frühstück 3

Ramadan Frühstück

Ramadhan Frühstück 2

Dies ist der unschlagbare Vorteil, wenn man sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegt, so bekommt man auch die lokalen Besonderheiten wie ein Ramadan-Frühstück hautnah mit. Mit dem eigenen Fahrzeug wäre uns dies mit Sicherheit entgangen. Wir ignorieren den noch etwas flauen Magen, mischen uns unter die Gläubigen und lassen uns das leckere Essen schmecken. Zeitlich zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber man kann ja nie wissen, was der kommende Reisetag so bringen wird.

Sumatra. Nahezu das Ende der Menschheit.

29. August 2011 • Kategorie: Reiseberichte Asien • Kommentare: Kommentare deaktiviert

So still und friedlich liegt er vor uns, Lake Toba im Norden Sumatras. Türkisblaues Wasser, üppig grüne Berghänge ringsum und nichts lässt erahnen, dass eben hier einst nahezu die gesamte Menschheit ausgelöscht wurde.

Lake Toba Sumatra

Lake Toba ist der Überrest eines gigantischen Vulkans, der vor 70.000 Jahren über eine Periode von Jahrhunderten hinweg Rauch, Feuer und Asche spuckte. Zurück blieb ein 1700 km² großer Einbruchskrater, der uns heute ein traumhaftes Panorama beschert, während wir auf der Hotelterrasse sitzen, einen Fruchtsaft schlürfen und nicht im geringsten ahnen, was diese Eruption an Folgen nach sich zog.

Untersuchungen der Evolution des menschlichen Erbguts zeigen eine deutliche Unregelmäßigkeit und legen die Vermutung nahe, dass irgendwann einmal unsere Vorfahren so stark dezimiert wurden, dass die Genvielfalt immens zurückging, ein sogenanntes ‘bottleneck’, ein Flaschenhals-Effekt’. Das bedeutet nichts anderes, als dass irgendwann einmal fast alle Menschen, oder deren reichlich behaarte Vorfahren zu Grunde gegangen sind und danach nichts mehr war wie zuvor. Aber was hat das nun mit Sumatra und unserer wunderbaren Aussicht zu tun?

Jeder kennt die Szenarien wie einst die Dinosaurier ausstarben. Ein riesiger Meteorit trifft die Erde, wirbelt Staub in die Atmosphäre, die Sonneneinstrahlung nimmt ab, die globale Temperatur sinkt, Pflanzen sterben und die armen Dinosaurier finden nichts mehr zu fressen und sterben aus. Was einem gestandenen Dinosaurier das Überleben schwer macht, rückt mitunter auch dem Menschen an die Grenzen seiner Überlebensfähigkeit. Der gigantische Vulkan, dessen Überreste nun als Lake Toba friedlich in der Landschaft liegen, spuckte einst 800 Kubikkilometer Asche (etwa 1000 mal mehr als der verheerende Ausbruch des Mt. St. Helens 1980 in den USA) in die Atmosphäre, was zu einer globalen Abkühlung von bis zu 10 Grad geführt haben könnte. Ganz Indien, ganz Indien (!) wurde unter einer 15 Zentimeter dicken Ascheschicht begraben und die weiteren Auswirkungen auf das Leben auf der Erde kann man sich nur schwerlich vorstellen. Die Abkühlung der Atmosphäre nach solch einem Ausbruch nennt man ‘Vulkanischer Winter’ und der ‘Winter’ nach dem Ausbruch des Toba überschneidet sich ziemlich genau mit dem Zeitraum der letzten Eiszeit. Und wir beschweren uns, wenn einmal im März die Schneeglöckchen immer noch nicht blühen? Das Interesse unserer Vorfahren vor 70.000 Jahren an Schneeglöckchen wird wohl eher gering gewesen sein, sie waren, nach der dargelegten Theorie, nämlich kurz vor dem Aussterben. Nur wenige tausend Individuen in Afrika könnten überlebt haben, die sich in den folgenden Jahrtausenden wieder über den entvölkerten Eurasischen Kontinent ausgebreitet haben.

Samosir Island

Batak House Samosir

Zwar ist diese Theorie ebenso umstritten wie populär, doch wenn man sich vor Augen führt was hier einst vor sich gegangen sein könnte – nein, unvorstellbar, dass hier einst das Schicksal der gesamten Menschheit hätte entschieden werden können.

Kaum 70.000 Jahre später sitzt man hier im Vulkansee, bestaunt die kunstvollen Batak-Häuser,  sinniert ganz beiläufig über den Ursprung der traumhaften Kulisse ringsum und schlürft noch mal am Fruchtcocktail.

Sumatra. Durchgelegene Matratzen anstatt der eigenen vier Wände.

20. August 2011 • Kategorie: Reiseberichte Asien • Kommentare: Kommentare deaktiviert

„Why do you go to Sumatra? There is nothing to do“, sagte man uns in Singapur. Dass unsere Vorstellungen und die vieler Singapurer etwas verschieden sind, liegt nach den 10 Tagen, die wir dort verbringen durften, auf der Hand. Wir freuen uns also auf drei Wochen in Indonesien, drei Wochen auf der Insel Sumatra und auch auf: Drei Wochen ohne Auto.

Wir haben es geschafft, das Fahrzeug ist endlich auf dem Seeweg über den Pazifik – was für eine Erleichterung nach all dem endlosen Trara um die Verschiffung. Eineinhalb Jahre waren wir nun mit den eigenen vier Wänden unterwegs gewesen, verbrachten jede Nacht im eigenen Bett und mussten uns quer durch Asien nicht mit überteuerten Hostels, frechen Rikschafahrern und all dem herumärgern, was uns beim Rucksackreisen oft Zeit und Nerven gekostet hat. Macht es nach so langer Zeit ohne all diesen Ärger überhaupt noch Spaß mit 15 Kilo auf dem Rücken am Terminal mit 10 Taxifahrern gleichzeitig über den Fahrpreis ins Zentrum zu diskutieren?

Kaum in Sumatra gelandet, geht der Kampf auch schon los. Als wir wenig später mit einer Motorrad-Rikscha durch den wuseligen Verkehr ins Zentrum von Medan sausen, sind wir jedoch froh, einmal nicht selbst am Steuer sitzen zu müssen. Ja, endlich ist wieder etwas los auf den Straßen. Roller drängeln an Rikschas vorbei, Rikschas an Autos, Autos an Lkws, Fußgänger haben die Nachsicht, Hauptsache alles rollt. Alle paar Meter liegt ein anderer Geruch in der Luft, vielleicht nicht immer der beste, aber das ist nicht so wichtig. Das ist Asien, wie wir es lieben. Kleine Straßenstände im Wirrwarr der betriebsamen Gassen, buntes Leben auf den Bürgersteigen, der Muezzin schallt von den Minaretten der Stadt, versucht sich gegen das allgegenwärtige Geknatter der Mofas durchzusetzen.

Gemüsemarkt Sumatra

Schulkinder Sumatra

Die Kommunikation ist zunächst schwierig, wenige sprechen Englisch, doch viel wichtiger, man begegnet uns wieder freundlich und hilfsbereit. Schließlich findet man immer eine Lösung sich zu verständigen. Die Busnummer auf ein Stück Papier geschrieben oder den Ladenbesitzer nebenan gefragt und schon wird für uns gedolmetscht und mit dem Rikschafahrer der Preis ausgehandelt. Sogar der Kauf einer Handykarte funktioniert ohne Probleme, obwohl wir mehrere Fragen zu den Konditionen stellen. Anderswo war das nicht so einfach.

Nach zwei Tagen in Medan sitzen wir bereits im Minibus zum Terminal im Süden der Stadt, von dort aus geht es eingeklemmt weiter 10 Stunden im Überlandbus nach Parapat, dort mit dem Boot auf die Insel Samosir im Toba Vulkansee. Nach anschließenden zwei Stunden Fußmarsch in der prallen Sonne haben wir endlich ein passendes Hostel gefunden. Vermisst man da nicht das eigene Fahrzeug?

Minibus Sumatra

Nein, immer noch nicht. Ganz im Gegenteil. Auch nach einigen weiteren Tagen und unbequemen, nicht enden wollenden Busfahrten, halsbrecherischen Überholmanövern, viel zu lauter Musik und drei Stunden im Minibus ohne Federung auf Schlaglochpisten neben einer kettenrauchenden Großmutter eingeklemmt. Wir sind es also trotz der langen Reise mit dem eigenen Fahrzeug noch nicht müde geworden mit dem Rucksack umher zu ziehen. Es hat Vor- und Nachteile sein eigenes Haus auf Reisen mit dabei zu haben. Südostasien lässt sich sicherlich problemlos mit dem Rucksack entdecken, dennoch hat uns rückblickend der Lkw auch hier wunderschöne abgelegene Orte erschlossen, die uns mit dem Rucksack verwehrt geblieben wären. Was uns sicherlich weitgehend entgangen ist, sind die oft sehr interessanten Begegnungen mit anderen Reisenden in Hostels und Überlandbussen. In Sumatra haben wir nun Gelegenheit, in das Gefühl ‘Rucksackreisen in Südostasien’ hinein zu schnuppern. Vor uns liegen drei Wochen holprige Straßen, viele Stunden mit wenig Beinfreiheit und durchgelegene Matratzen unter löchrigen Mückennetzen. Ob wir uns nach dieser Zeit wohl wieder mehr nach den eigenen vier Wänden sehnen?