Verschiffung. Siebter Akt. Singapur. Juli 2011.
Der letzte Akt. Nun kommt alles zusammen. Wir haben eine neue Agentur gefunden, den Zeitpunkt für die Verschiffung ab Singapur kannten wir zuvor schon. Wir haben mittlerweile ein neues Carnet per Express aus Deutschland. (Was ist ein Carnet? Siehe Zweiter Akt). Was kann jetzt noch kommen?
Als wir aus Malaysia ausreisen sind wir gespannt, was uns nun erwarten wird. Wird es Probleme geben, weil wir kein eingestempeltes Carnet vorweisen können (siehe Fünfter Akt)?
Nein, nicht im geringsten, wir werden weder nach einem ‘ICP’, noch nach einem Carnet gefragt. Soviel, zum Thema ‘Es ist unmöglich ohne Carnet auszureisen’.
Aber der ganze Aufwand mit dem neuen Carnet war nicht umsonst, denn auch in Singapur ist nach Aussage aller, die wir gefragt hatten, ein Carnet absolut unverzichtbar. Komisch nur, dass wir den dortigen Beamten erst erklären müssen, wie man es ausfüllt. Aber diesmal bestehen wir natürlich darauf, denn wir wollen am Hafen ja nicht wieder vor dem gleichen Problem stehen. Einreise also mit Carnet.
Wie bereits erwähnt, ist das Fahren eines Wohnmobils in Singapur verboten. Von der Grenze bis zum 20 km entfernten Hafen werden wir demnach abgeschleppt und verbringen die letzten Tage bis zur Abgabe des Fahrzeugs auf einem Parkplatz, direkt vor dem Hafengelände. Es dauert ganze drei Tage, bis wir von der Hafenpolizei entdeckt werden. Nun stellt sich heraus, dass nicht nur das Fahren von Wohnmobilen in Singapur verboten ist, sondern auch das Parken. Das heißt, das Parken auf einem Parkplatz. Korrekterweise muss so etwas wie ein Wohnmobil auf der Ladefläche eines Abschleppwagens geparkt werden. Ja genau!
Doch jetzt passiert etwas ganz und gar Unglaubliches, für Singapur wirklich Atemberaubendes. Die Polizisten sehen ein, dass es sich in unserem Fall um einen ’special case’, um eine ‘Ausnahme’ handelt. Zwar muss unser lokaler Agent einen schriftlichen Antrag stellen, in dem er erläutert, wieso und weshalb wir hier parken, aber ab sofort haben wir die offizielle Erlaubnis, auch weiterhin, einfach so, ganz ohne Abschleppwagen, hier auf dem Erdboden stehen zu dürfen.
Um die letzten 20 Meter bis zum Eingang ins Hafengelände zurückzulegen, hört allerdings der ’special case’ auf, hier ist ‘Singapore Law’ wieder unantastbar (siehe Bericht: 20 Meter fürs Gesetz).

Aber was soll’s, wir sind kurz vor dem Ziel, unser Auto kommt endlich aufs Schiff, wer hätte das noch geglaubt.
Das Fahrzeug muss nur noch ausgezollt werden. Jetzt kommt die Sache, weswegen wir überhaupt hier in Singapur gelandet sind. Wie gut, dass wir ein gültiges, eingestempeltes Carnet besitzen, denn in Singapur läuft ja alles überkorrekt ab. Wir haben alle Papiere, genau so wie sie sein sollen. Alle Verschiffungsdokumente und vor allem: Das eingestempelte Carnet.
Doch dann passiert es! Unser Fahrzeug wird ins Hafengelände gefahren, passiert somit die Landesgrenze von Singapur und keinen interessiert es! Das Fahrzeug fährt in den Hafen und wird vom Zoll glatt übersehen. Erst als wir schon längst im Lagerhaus der Rederei stehen, unseren Autoschlüssel bereits abgegeben hatten und nachfragen, wann denn nun das Carnet benötigt werde, stellt sich heraus, dass dies am Eingang zum Hafen bereits hätte ausgestempelt werden müssen. Das Fahrzeug war somit bereits aus Singapur ausgereist und das Carnet hat keinen Menschen interessiert. Niemanden. Keiner wollte irgendetwas sehen, keine Papiere, nichts. Kein Carnet, keinen Stempel, keinen Blick in das Fahrzeug, nichts.
Nur wegen uns müssen wir das Fahrzeug noch einmal zurück zum Zoll fahren. Nicht wegen des Zolls, sondern weil wir zurück in Deutschland ein Problem bekämen, wenn wir ein eingestempeltes Carnet ohne Ausreisestempel vorlegen. So ein Aufwand und dann hätte das alles keinen Menschen interessiert.


Zwei Tage später steht der Lkw auf dem Schiff mit dem Namen MV Endurance – wie treffend. Keiner schaut rein, keinen interessiert es ob die Unterhosen im Schrank baumeln oder nicht. Alles nur blabla, alles für nichts und wieder nichts. Am gleichen Abend noch legt das Schiff ab. Nach vier Monaten Wahnsinn ist es geschehen: Unser Lkw ist auf dem Weg nach Amerika.
Nachspann.
Rückblickend muss man sagen, dass die Organisation der Verschiffung unseres Fahrzeuges weit mehr Zeit, Nerven und Geld gekostet hat, als wir uns hatten vorstellen können.
Die ‘neue’ Agentur für die Verschiffung aus Singapur hat die Tatsache, dass wir uns aus Zeitknappheit für sie entscheiden mussten, schamlos ausgenutzt. Der Kostenvoranschlag wurde endlos hinausgezögert bis zwei Tage vor Ablegen des Schiffes, als es kein Zurück mehr gab. Uns wurde trotz mehrfacher Bitte keine nachvollziehbare Kostenaufschlüsselung zugesandt. Es ist davon auszugehen, dass wir zusätzlich zu den eigentlichen Verschiffungskosten und der üblichen Vergütung für die Agentur viele hundert Euro in die Taschen des Agenten bezahlt haben.
Das ganze war ein Drama, das hier nur in Ausschnitten dargestellt werden konnte. Vier Monate ein Hin und Her, letztlich über hundert Emails, Telefonate und Termine. Die größten Enttäuschungen waren die vielen Zusagen für Angebote, die alle im Nichts geendet sind. Keine einzige Email mit: ‘Es tut uns Leid, wir können Ihnen nicht weiterhelfen’. Ist denn das so schwer?
Nichts auf der Reise hat uns bisher so beansprucht und derart viel Kopfzerbrechen bereitet wie diese Verschiffung. Wir hatten das Ziel, unser Fahrzeug von Südostasien nach Amerika zu bringen und wir haben es letztlich auch geschafft. Es war nicht einfach, aber es war möglich.
Sollte irgend jemand mit dem Gedanken spielen sein Wohnmobil nach Amerika zu bringen, dann haben wir nur einen Ratschlag: Kauft ein Fahrzeug das in einen Container passt oder verschifft wie alle anderen mit Seabridge / Grimaldi direkt aus Deutschland.

















