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Türkei von Nord nach Süd – Quer durchs Land Teil 1

23. Februar 2010 • Kategorie: Reiseberichte Asien, Reiseberichte Europa • Kommentare: Kommentare deaktiviert

Am 15. Januar fahren wir in die Türkei. Da wir verwöhnten Europäer Grenzen kaum noch kennen, sind wir gespannt, welche Kontrollen auf uns warten.
Zu unserer Überraschung will der erste Zollbeamte gar nicht unsere Pässe sehen, sondern uns lediglich zur Begrüßung die Hand schütteln. Dann gibt es aber doch einige Formalitäten zu erledigen. Fahrzeugschein und der Nachweis über eine in der Türkei gültige Autoversicherung werden geprüft, damit eine zeitlich begrenzte Einfuhrerlaubnis für das Fahrzeug in den Pass des Halters eingetragen werden kann. In den Reisepass wird außerdem das Einreisedatum gestempelt, da man sich als deutscher Staatsbürger bis zu drei Monate ohne Visum in der Türkei aufhalten darf. Ist man kein Fahrzeughalter, kann man auch mit dem Personalausweis einreisen, muss jedoch den Stempel auf einem separatem Zettel bis zur Ausreise aufbewahren.  Na dann los und auf nach Istanbul.Nebeliger Morgen ThrakienUnser erstes Ziel war die Mega-Metropole mit ihren etwa 15 Millionen Einwohnern. Ist das Fahren in fremden Großstädten schon mit einem Pkw eine kleine Herausforderung, bedeutet dies mit einem Lkw für Fahrer und Beifahrer höchste Konzentration. Der Fahrer muss es schaffen, irgendwie im Strom mitzuschwimmen, spontan anhaltenden Dolmusen (falls dies die Mehrzahl von Dolmus ist) auszuweichen und natürlich schlagartig die Spur zu wechseln, wenn der Beifahrer plötzlich meint, den vielleicht richtigen Weg gefunden zu haben. Außerdem muss unbedingt darauf geachtet werden, möglichst oft zu Hupen. Gehupt wird immer dann, wenn man an ein Fahrzeug überholt oder an ihm vorüber fährt. Bei einer mehrspurigen Einfallstraße in das Stadtzentrum bedeutet dies folglich: permanent. Aber auch der Beifahrer ist erhöhtem Stress ausgesetzt. Er muss sämtliche Verkehrschilder lesen, Namen mit der meist viel zu ungenauen Karte abgleichen und Entscheidungen treffen, die im Zweifel allzuoft in viel zu kleinen Gassen enden, aus denen es trotz intensiven Hupens kaum noch ein Zurück gibt. Hinzu kommt, dass man nicht nur durch die Stadt hindurch finden muss, sondern man hätte ja auch gerne noch einen schönen ruhigen Stellplatz für einige Tage. Am besten natürlich direkt im Zentrum.
Istanbul hat unsere Geduld jedoch nicht herausgefordert, wir haben auf Anhieb einen Stellplatz gefunden, auch wenn er eher funktional als schön war.
Der Dauerregen und vor allem zwei kleine Lecks im Dach, haben uns Istanbul ein wenig verleidet, wenngleich Istanbul eine beeindruckende Stadt ist und eine Vielzahl an Sehenswürdigkeiten aufzuweisen hat. So zum Beispiel die blaue Moschee, deren massive Säulen mit einem Durchmesser von über fünf Meter den wohl kommenden Erdbeben standhalten sollen.

Blaue Moschee Istanbul
In Istanbul treffen wir auch Marie und Sebastian wieder, die wir bei den Meteoraklöstern kennengelernt hatten. Da wir zu einer Zeit reisen, in der nicht viele Touristen unterwegs sind,  tut es ab und zu richtig gut, sich ein wenig austauschen zu können.
Am 20.01.10 ist es dann soweit, wir verlassen Europa und fahren über die Bosporusbrücke nach Asien.

Bosporusbrücke IstanbulObwohl die Schwarzmeerküste für viel Regen bekannt ist, wollen wir nicht darauf verzichten, auch von diesem Teil der Türkei einen kleinen Bereich zu erkunden. Die Karte des ADAC kennt jedoch Straßen, die nicht existieren und so machen wir unfreiwillig weitere Erfahrungen mit dem Lkw abseits befestigter Wege. Auch kleine Straßen können ihre Tücken haben. Da wäre einmal die Enge der Straße, die ein Umfahren der Schlaglöcher kaum möglich macht, die in die Straße ragenden Bäume, die allzugern mit den Solarzellen kollidiern möchten und Stromleitungen, die in willkürlicher Höhe von Haus zu Haus gespannt sind.

Nachdem wir, wegen der nicht vorhandenen Küstenstraße, durch das Landesinnere geirrt sind, gelangten wir schließlich doch an die Schwarzmeerküste und kamen sogleich zum ersten Mal in den Genuss türkischer Gastfreundschaft. Ein Familienvater lädt uns zum Cay ein, aber ehe wir uns versehen, wird daraus ein ganzes Festmahl. Es ist wirklich bewundernswert mit wie viel Offenheit man Fremden begegnen kann.

Safranbolu Konak

Safranbolu Konak Innenraum

Safranbolu Handwerk
Die Händler in Safranbolu sind längst auf Touristen eingestellt und reihen ihre Waren dekorativ vor ihren Läden auf. Damit dies nicht Überhand nimmt, gibt es Markierungen am Boden, die anzeigen, wieweit die Außenstände in die Gassen ragen dürfen.

Hat es in Safranbolu bereits wieder angefangen zu schneien, wird es auf dem Weg nach Kappadokien richtig kalt. Geschätzte 15° minus am Tuz Gölü lassen das Butangas gefrieren und den griechischen Schönwetterdiesel versulzen. Doch die Sonne hilft uns nach einiger Zeit aus der Misere, erwärmt die Tanks, schmilzt das gebildete Paraffin und lässt den Treibstoff wieder flüssig werden. An der nächsten Tankstelle mischen wir einen kräftigen Schuß Normalbenzin zum Diesel und sind damit für die kommenden kalten Nächte gewappnet.
Hochebene beım Tuz Gölü

Hochland in Zentralanatolien

Auf dem Weg in die Ihlara-Schlucht begegnen uns auf einem Feldweg, den wir eingeschlagen hatten, um eine kurze Pause zu machen, zwei ältere Männer, die uns sogleich zum Tee einladen. Wir nehmen diese an und landen in einer anderen Welt. Ismail lebt mit seiner Frau in einem kleinen Steinhaus, bestehend aus einem Vorraum und einem ähnlich großen, durch einen Holzherd geheizten Wohnraum. Auch diesmal wird aus dem Cay ein ganzes Essen, mit gefüllten Fladen, Oliven, selbstgemachten Schafskäse und frischer Milch. Unsere nicht vorhandenen Türkischkenntnisse verhindern zwar eine Unterhaltung, aber Ismail hat eine ganz eigene Methode aus einer Mischung von Pantomime und Schreien entwickelt, die wenigstens teilweise von Erfolg gekrönt ist. So verstehen wir zumindest, dass sie sich darüber freuen würden, wenn wir ein paar Fotos machen und sie ihnen schicken würden. Dazu sind wir natürlich gern bereit, hatten wir doch den Foto ursprünglich aus Höflichkeit im Auto gelassen.
Ismail und seine Frau zeigen uns ihre Tiere, die selbstverständlich mit aufs Bild sollen. Da wären Schafe, Ziegen, Hühner, Hunde und Tauben.  Die Ställe hat Ismail eigenhändig aus dem Fels hinter dem Haus geschlagen. Von außen kaum sichtbar, bieten die weit in den Fels reichenden Höhlen mehr als hundert Tieren Platz.
Erneut hat uns der Zufall und die Offenheit der Menschen unvergessliche Momente beschert.
Diese Begegnungen sind es, die das Reisen reisenswert machen, die Landschaften und Kulturgüter eines Landes sind zwar sehenswert, öffnen aber nicht die Herzen für fremde Kulturen.

Wir setzen unseren Weg fort und entdecken eine kleine 40° heiße Quelle. Bei Außentemperaturen von gut 10° minus ist es gar nicht so einfach, seine in kürzester Zeit kalt gefrorenen Füße in das heiße Wasser zu stecken. Während der eine Körperteil friert, scheint der andere zu verbrühen. Hat man den Temperaturunterschied dann überstanden ist es eine Wohltat. Aufgewärmt sind wir fit für die Weiterfahrt in die Ihlara-Schlucht.
Ilhara Schlucht Kappadokien

Höhlenkirchen Ilhara

Die 15 Kilometer lange Schlucht beherbergt mittelalterliche Felsenkirchen, welche zu den schönsten Kappadokiens zählen sollen. Im 8. Jahrhundert diente das Tal byzantinischen Mönchen als Rückzugsgebiet. Leider wurden etliche Fresken mutwillig durch Herausschlagen der Gesichter oder Einritzen von Sprüchen und Namen beschädigt. Die in den Fels geschlagenen Kirchen hinterlassen dennoch allein durch ihre besondere Raum- und Lichtstimmung einen bleibenden Eindruck.

Selbst der schönste Sonnenschein kann nicht über die bittere Kälte hinwegtäuschen und so geht es weiter in Richtung Süden, durch schneebedeckte Landschaften, in deren Konturen sich erloschene Vulkankrater abzeichnen. Entlang der Straßen befinden sich regelmäßig braune Schilder, die auf unzählige Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung hinweisen. Die „Rote Kirche“ ist bereits von Weitem sichtbar und lohnt wahrlich einen kleinen Abstecher. Die Türkei ist so reich an Überresten Jahrtausende alter Besiedelung, dass man sich hier um viele nicht weiter kümmert, man lebt einfach mit ihnen.
Taurusgebirge im Winter

Rote Kirche Ruine

Stellplatz wo bist Du

Griechenland, Spartaner und der Föhnsturm.

17. Januar 2010 • Kategorie: Reiseberichte Europa • Kommentare: Kommentare deaktiviert

Nachdem wir, getrieben von der Kälte und dem nun doch herannahenden Winter, die Flucht in Richtung Süden beschlossen hatten, bleiben uns von Bulgarien nur ein paar wenige Eindrücke.

Direkt hinter unserem ersten Nachtquartier sperrte die bulgarische Polizei aufgrund des starken nächtlichen Schneefalls die Straßen für Lkws. Wir versuchten es trotzdem, konnten ungehindert passieren und hatten freie Fahrt durch die frisch verschneite Landschaft . Scheinbar hält man unser Gefährt nur an Mautstellen für einen vollwertigen Lastwagen.

Auf dem Weg nach Süden taucht das gleißende Gegenlicht die Landschaft in ein derart blendendes Weiß, dass lediglich an den entlaubten Waldregionen ein wenig Kontur greifbar wird. Während wir uns an die kyrillische Schrift auf den Wegweisern gewöhnen, säumen immer wieder monumentale Denkmäler im Sowjet-Stil die Straßen. Beides lässt nach wie vor den ehemals mächtigen Einfluss der UdSSR in Wirtschaft und Politik des Landes erfahrbar werden.

Gegenlicht in Bulgarien

Denkmal_1

Denkmal_2

Noch vor Sofia entlässt uns der Winter aus seinen Fängen und nach einer Nacht auf einem Lkw-Parkplatz mit dem Flair eines erstklassigen Autoschieber-, und Schmugglerhinterhofs und wundervoll warmen Duschen, erreichen wir durch das Tal der Struma die Pforten Griechenlands. Kein harter Schnitt – der Übergang ist fließend aber spürbar. Immer noch das ein oder andere Denkmal das man gefühlsmäßig auch weiter im Nordosten verorten könnte, aber erst einmal wieder der Euro und vor allem die ersehnte Wärme. Dank Plusgraden können wir die Wassertanks wieder befüllen und befreien Paula von Schneeresten und dem grauenhaften Streusalz.

Griechenland_denkmal

Ach ja, was man bei den frühlingshaften Temperaturen fast schon vergessen hatte: Weihnachten steht vor der Tür. Na dann, wenn man schon mal so nahe ist: Auf ans Meer!

An der Küste nach Süden sind alle Strände und Stranddörfer verlassen und liegen bei 17 Grad in einem merkwürdig leblosen Winterschlaf. Das ruft Erinnerungen an den verwaisten Badeort mit dem Anstrich der 70er am Balaton in Ungarn wach. Nur hat man hier in Nordgriechenland das Gefühl, dass spätestens im nächsten Sommer der Abfall verräumt, die Schirmchen aufgeklappt und die Duschen angeschlossen werden, damit wieder Busse und Pkws voller Strandfreunde anrollen können. Wir finden für die Weihnachtsfeiertage zwischen zwei dieser Badeorte einen Stellplatz direkt am Meer, den wir nur mit zwei angeschwemmten Müllsäcken und einem alten Autoreifen teilen müssen.

Nicht mit Seife duschen.

Weihnachten

Nach den Feiertagen geht es nach Thermopyles etwas weiter im Süden, um dort mit Freunden aus der Heimat ins neue Jahr zu feiern. Wir freuen uns, ein paar Tage gemeinsam zu stehen, ein wenig Ruhe zu finden und genießen die heißen Quellen und über 20 Grad im Schatten an Silvester. An mehreren Stellen sind Seile zum festhalten über das türkisblaue, stark nach Schwefel riechende Wasser geknotet um beim Baden nicht von der schnellen Strömung mitgerissen zu werden.

Thermopyles_1

Thermopyles_2

Die Quelle soll, so der Mythos, von Athene selbst in Auftrag gegeben worden sein, um Hercules ein wohlig warmes Bad zu gönnen. Weitaus wichtiger für all die griechischen Besucher ist jedoch, dass dieser Ort Schauplatz der Schlacht von Thermopyles war. Mehrere Reisebusse täglich und viele Dutzend private Pkws, die an einem nahe gelegenen Denkmal anhalten, sich davor fotografieren oder der Bronzestatue an die von vielen Händen mittlerweile blank polierten, wohl glückversprechenden Stellen greifen, zeugen von der starken geschichtlichen Aufladung des Ortes.

480 v. Chr. haben sich 300 spartanische Krieger mutig und ruhmreich einem Heer von 1.7 Millionen Persern entgegengestellt. Nicht, dass sie gewonnen hätten, aber durch ihren moralischen Sieg sollen sie, wie auch immer, ausschlaggebend zu dem späteren Rückzug der Perser beigetragen haben.

Vor der Schlacht entgegnete der Anführer der 300 Spartaner den Persern auf deren Aufforderung hin, die Waffen abzugeben mit den ruhmreichen Worten: ‘Kommt und holt sie euch!’ So die Legende. Naja, jedenfalls hört man gelegentlich noch heute einige, vorwiegend männliche Griechen mittleren Alters auf den Hügel des damaligen Geschehens steigen, um den Ausspruch über die Ebene zu brüllen. Natürlich nicht auf deutsch. Nun gut, und auch in eine Richtung die zwar heute als Ebene vor dem Hügel der letzten Schlacht liegt, damals aber noch von Meer bedeckt war. Aber wahrscheinlich ist das ja, nachdem die meisten der Besucher eher keine Kriegsherren mit Schild und Helmchen sind, nicht so wichtig. Heutzutage. Damals wäre es dann doch etwas peinlich gewesen in die falsche Richtung zu brüllen.

An den Tagen nach dem Jahreswechsel steigen die Temperaturen auf 24 Grad. Nachts zieht ein gewaltiger Föhnsturm auf. Wir drehen den LKW erst nach einiger Zeit mit dem Heck in den Wind und freuen uns am nächsten Morgen über eine frisch sandgestrahlte Motorhaube. Nachdem einige größere Brocken die drei Lackschichten bis aufs Blech durchschlagen haben, verlangten wenigstens die schlimmsten Einschläge nach einer kosmetischen Behandlung.

Sandsturm

Noch ein paar Tage genießen wir die nette Gesellschaft, ziehen dann wieder in Richtung Norden weiter und feiern kurz darauf Paulas hunderttausendsten Kilometer. Wir sind froh, dass die gute alte Dame mit ihren mittlerweile 32 Jahren, uns und unser ganzes Gerümpel bisher ohne Probleme durch die Gegend schaukelt.

Nach einer ermüdend langen Fahrt durch eine endlos erscheinende Ebene, tauchen endlich markante Steilwände auf. Wir sind in Meteora.

Die hoch empor ragenden Felsformationen wirken übermächtig und irgendwie lebendig. Etliche Felsnadeln werden von Klöstern gekrönt, die in Gestalt und Materialität mit ihnen zu verschmelzen scheinen. Zumindest optisch sind hier die Mönche dem Himmel erstaunlich nahe.

Meteora_1

Meteora_2

Meteora_3

Die Innenräume der Klöster erlauben neben grandiosen Rundumblicken und den zu erwartenden Heiligenabbildungen auch einige überraschende Einblicke, die wir eher im Draculaschloss Bran erwartet hätten.

Meteora_4

Die bizarren Formationen aus Konglomeratgestein bieten neben der faszinierende Optik auch einiges zum Anfassen. Wir freuen uns über gut gesicherte Routen mit vielen großzügigen Möglichkeiten sich mit Griff, Tritt und sonstigen hoch eleganten Klettertechniken emporzuhangeln.

Auf dem Weg zur türkischen Grenze finden wir erneut ausschließlich vereinsamte Strände und verwaiste Ortschaften, deren Hotels, Cafés und Strandpromenaden auch hier den Anschein erwecken, im jahreszeitlichen Rhythmus von Zwischen-, Vor- und Hauptsaison, gerade darauf zu warten, in wenigen Monaten wieder aus allen Nähten zu platzen zu dürfen.

Griechenland Ost

Bereits vor dem Grenzübertritt in die Türkei mischen sich in die Umrisse der Dörfer neben den mächtigen Kuppeln der christlich-orthodoxen Kirchen mehr und mehr Minarette der Moscheen. An der momentanen Außengrenze der EU gibt es den ersten Stempel in den Pass.

Bis Anfang März liegt nun die Türkei mit einer Landesfläche von fast 800.000 km² vor uns. Davon drei Prozent in Europa, der Rest hinter den bisher zwei Brücken über den Bosporus in Asien. Gerade mal 660 Meter trennen hier die beiden Kontinente. Istanbul spannt weit darüber hinweg und zur Zeit der Gründung machte sich auch bestimmt noch keiner Gedanken über Kontinente oder die EU. Womöglich gab es zur Zeit der ersten Ansiedlungen auch den Durchlass zwischen Schwarzem und Mittelmeer noch nicht. Zumindest spekuliert man, ob nicht vielleicht das heutige Schwarze Meer erst nach einem Durchbruch des Mittelmeeres, dessen Wasserspiegel in Folge der abklingenden letzten großen Eiszeit angestiegen sein könnte, sintflutartig überschwemmt wurde (vgl. Ryan & Pitman 1997). Wir werden uns jedenfalls am Ararat kurz vor der iranischen Grenze umsehen. Vieleicht finden wir ja ein paar Überreste der Arche Noah.

Schritt für Schritt nach Süd-Ost.

24. Dezember 2009 • Kategorie: Reiseberichte Europa • Kommentare: Kommentare deaktiviert

Der Winter ist uns dicht auf den Fersen. Noch sind wir ihm ein Stück voraus als wir nach Slowenien einreisen. Schon vor knapp zwei Jahren waren wir auf dem Weg durch den seit 1991 unabhängigen Teil des früheren Jugoslawiens. Die Slowenen hatten wohl das Gefühl mit ihrer verhältnismäßig hohen Wirtschaftskraft die anderen Teile des Landes mitzuziehen und das war zumindest ein erster Grund für den beginnenden Zerfall des Vielvölkerstaates. Im Gegensatz zu unserer Reise 2007 werden wir Slowenien nur knapp streifen. Vielleicht ein guter Anfang auf dem Gradienten nach Süd-Ost.

Wir besuchen Maribor und es stellt sich tatsächlich ein allererster Hauch von dem ein, was man sich unter einer Priese Osten vorstellen mag. Ein wenig abblätternde Farbe, ein wenig Umbruch. Alles in allem dominieren dann doch heimisch anmutende Anblicke. Müller Drogeriemarkt, H+M, Rossmann und Vodafone halten die Übermacht in den innerstädtischen Straßenzügen. Zwischen Glasfassaden und Werbe Bling-Bling mischen sich aber doch noch immer ein paar wenige Einblicke in schmale Gässchen, die sich den Charme der Vergänglichkeit erhalten haben. Überschreitet man die gemächlich strömende Drava in Richtung Süden und damit die Außengrenze der als historischer Kern zu erhaltenden Innenstadt, wird der Wandel in der gebauten Substanz unübersehbar. Noch bewohnte, aber ganz offensichtlich schon knapp nach dem Beschluss zum Abriss befindliche Altbauten, sind bereits vom Bauzaun mit Inverstoraufdruck umstellt und werden wohl auch bald Platz für weitere maßstabssprengende, wenn auch nicht konturübergreifende Einkaufsmegazentren und Cinemaxe machen.

Putz

Europark

kolosej

Ungarn – vielleicht mehr Osten. Ja, ein wenig. Zwei Drittel der Landesfläche sind landwirtschaftlich genutzt. Genutzt? Ins Auge fallen auf unserem Weg zunächst die riesigen brach liegenden Landstriche. Die Dimensionen der – zumindest derzeit – nicht intensiv bewirtschafteten Flächen lassen einem die bis auf den Quadratzentimeter vermessenen und in Ökokonten eingebuchten Magerrasenpopel und Amphibienpfützen in deutschen Autobahnschleifen als Karikaturen erscheinen. Quadratkilometer um Quadratkilometer überstreichen unsere Blicke links und rechts der bestens ausgebauten Straßen überflutetes Grasland und Schilfflächen und lassen die Frage aufkommen, ob hier Fördergelder aus der EU so manche Drainage verstopfen. Mit seinen im Schnitt nur drei Metern Tiefe darf wohl auch der Plattensee eher als überflutete Wiese gelten und ist dennoch der flächenmäßig größte Binnensee West- und Mitteleuropas. Wir finden ein schönes Fleckchen auf einem seit Jahren verlassenen Campingplatz am Südschnirpfel des Balaton. Man glaubt förmlich die Touristenströme der 60er und 70er noch spüren zu können, die sich damals in den heute verwaisten Hotels drängten.

Wir haben für kurze Zeit das Gefühl, den Sprung aus dem Winter geschafft zu haben und nutzen das wunderbare Wetter für eine Nordumfahrung des Sees. Auf dem Weg zu einer Stadt mit so vielen Vs, Fs, Ks und Rs, dass wir bis jetzt noch nicht genau wissen, wie sie richtig heißt, bleiben wir bei der Suche nach einem Stellplatz mit Seeblick, offensichtlich von der strahlenden Sonne geblendet, so tief im Matsch stecken, dass nur noch Allrad, Differentialsperre, Geländeuntersetzung und jede Menge Schwung dabei helfen unsere Behausung wieder aus der misslichen Lage zu befreien. Wir freuen uns sehr, ein neues Biotop für Gelbbauch-Unken geschaffen zu haben und ziehen mit einer dicken Isolierschicht aus Schlamm auf dem Auto von dannen und übernachten anstatt mit Seeblick dann doch auf dem Parkplatz einer Tankstelle.

abseits

Hotel Beach

Der Weg nach Rumänien führt uns über Szeged. Ein willkommener Anlass wieder mal einen Fuß in die Therme zu setzen, deren Wasser zwar dem ersten Anschein nach grauslich duftet und schmutzig braun wirkt aber von den Einheimischen als Heilwasser verehrt wird. Die Verwunderung über das im ersten Moment doch eher ungenießbar wirkende Wasser hatten wir schon vor etwa acht Jahren bei unserm ersten Besuch in der überaus attraktiven und direkt an der Theiß gelegenen Universitätsstadt abgelegt. Damals waren wir ausgesprochen zögerlich mit dem Betreten der Therme, ließ uns doch schon das Äußere des reich dekorierten Gebäudes stark daran zweifeln, ob die Badeanstalt denn überhaupt noch in Betrieb sei. Ebenso wie außen, bröckelte auch innen quadratmeterweise der Putz in die Schwimm- und Tauchbecken. Quer durch die wunderschön angelegten Räume der Therme führten kräftig vor sich hin rostende Leitungen, blau und grün gestrichene Wasserrohre mit dicken Absperrhähnen, wie man sie eher im Emscher-Park oder an anderen ehemaligen Industriestandorten vermuten würde. Die Therme wird wohl bald geschlossen werden, so dachten wir und staunten nicht schlecht als wir jetzt eine top-sanierte, frisch aufgemöbelte Badeanstalt in gleichen Räumlichkeiten aber ohne Schmodder und Grint vorfanden. Das Wasser ist immer noch braun und schwefelt – so gehört sich das halt für Heilquellen. Aber da? Was ist das? Da oben unterm Fenster. Da bröselt es doch schon wieder. Nur ein klitze kleines bisschen, aber wir kontrollieren lieber in acht Jahren nochmal.

In Ungarn konnten wir uns durch die gemächliche Fahrt über Landstraßen noch um eine Vignette drücken, der Beamte an der mittlerweile EU-internen Grenze nach Rumänien machte uns die Straßennutzungsgebühr seines Landes aber reichlich schmackhaft als er argumentierte, dass es in Rumänien nur 300 Kilometer Autobahn gäbe und aus diesem Grund für alle größere Straßen Gebührenpflicht bestehe. Die Parallele zur Hauptstraße Richtung Bukarest hat reichlich Ähnlichkeit mit dem Schlammloch am Plattensee und los geht’s mit einem Aufkleber an der Windschutzscheibe auf der E68. Erstmals hat man das Gefühl Mitteleuropa zu verlassen. 1989 kehrte Rumänien dem Kommunismus den Rücken und seither zerfallen viele vormals riesige Staatsbetriebe in Ruinen aus Stahl und Beton, die mit ihrer beeindruckenden Ausstrahlung immer wieder neben der Straße auftauchen.

Der Ausflug in den ältesten Nationalpark des Landes endet auf 1200 Metern mit Schneeketten im Schneegestöber und der Aussicht, am nächsten Mittag bereits eingeschneit zu sein. Außer uns finden wir im Nationalpark nur ein paar Männergrüppchen die den gesamten Vormittag damit verbrachten, mit gemeinsamer Kraft einen Kleintransporter die eisglatten Serpentinen hochzuschieben, um damit mehr oder weniger heimlich ein paar Weihnachtsbäume aus dem Nationalpark zu entwenden. Der Förster hat’s zum Glück nicht gesehen. Diesen haben wir nämlich ganz am Ende des Feldweges getroffen – mit drei Freunden, einer Axt und vier Bäumchen auf dem Anhänger.

Der Weihnachtsbaum lässt gleichzeitig an das denken, was wohl oftmals mit dem Gedanken an Rumänien einhergeht. Nadelwälder. Im besten Fall etwas hügelig. Ja, schon ordentlich hügelig und dazwischen Burgen. Düstere Burgen. Na dann nichts wie ab nach Bran in Transilvanien. Weniger gruslig, eher gemütlich wirkt die beschauliche Burg trotz klirrender Kälte, die langsam den Wunsch nach wärmeren Gefilden aufkommen lässt und wir beschließen in Kürze einen Richtungswechsel nach Süd vorzunehmen, doch Bukarest verlangt noch einen Besuch.

Altindustrie

bran

Friedhof

Im Schneechaos versunken schiebt sich der Berufsverkehr in das Zentrum der Innenstadt. Die klapprigen Dacias, mit denen wir noch an der Grenze von Ungarn kommend die Fahrspur teilten, sind, zwischen Audis, BMWs und Porsche-Jeeps neuster Baureihe, hier in der Hauptstadt klar in der Unterzahl. Wir sind wieder mal froh über ein wenig mehr Bodenfreiheit und wühlen uns als Nachtquartier in einen Schneehaufen am Straßenrand ganz in der Nähe des Parlamentsgebäudes. Vor dem beeindruckend massiven Bauwerk finden wir einen jungen Rumänen, der sich, den neuen Wohlstand kostend, in seinem Audi Q7 mit immer waghalsigeren Manövern wild über den Parkplatz driftend fröhlich austobt. Auch Bukarest wandelt sich deutlich. Erst auf den Straßen und früher oder später werden auch hier die abblätternden Fassaden der Wohnhäuser einen neuen Anstrich bekommen.

Bucaresti

parlament

Wolkenbuegel

Jetzt erwartet uns nach der LKW-Schlange vor der Grenzbrücke über die Donau erst einmal Bulgarien, doch allen Anschein nach werden wir, gelockt von Temperaturen über dem Gefrierpunkt, die meiste Zeit hinter den Steuer verbringen. Ausdauernder Eisregen heute Nacht, der am Morgen einen so dicken gefrorenen Mantel über das gesamte Auto gezogen hatte, dass selbst der Eiskratzer vor Schreck in drei Teile zerbrach, treibt uns eilig zur griechischen Grenze.

welcome to bulgaria

fahren

Wir haben mittlerweile das Gefühl, wieder ganz gut ins Reisen hinein gekommen zu sein und freuen uns darauf schon bald endlich mal ein paar Tage Ruhe an einem Ort zu finden und sich mit einem Klappstuhl an den griechischen Strand zu setzen. Naja, oder sich am Strand unter das Auto zu legen. Nach Schnee und Streusalz möchte auch die ein oder andere Gelenkwelle mal wieder ein wenig geschmiert werden.

Home is where we park it.

08. Dezember 2009 • Kategorie: Reiseberichte Europa • Kommentare: Kommentare deaktiviert

Während wir der Abreise mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegenfieberten, war der Tag des Aufbruchs schließlich da. Der Abschied fiel schwer, auch wenn er erstmal nur für zehn Monate ist. Aber die letzten Monate zu Hause haben uns unsere Familien näher gebracht, als sie es während unserer Studienjahre in München und Stuttgart waren. Allerdings steigen wir ja nicht in den Flieger und sind kurz darauf am anderen Ende der Welt, sondern wir tuckern langsam und gemächlich von dannen. Unser erster Stopp auf der Reise sollte die Domstadt Freising sein. Den Dom ließen wir links liegen, hatten wir ihn nicht schon fünfmal gesehen und verbrachten lieber nochmal so viel Zeit wie möglich Abschied feiernd mit unseren Freunden. Die folgenden Tage besuchten wir endgültig aufgebrochen noch einige Freunde auf dem Weg ostwärts die uns ein vorerst letztes Mal die Annehmlichkeiten der Zivilisation zukommen ließen.

Nachdem wir zu Hause noch von Schnee und Frost verschont blieben, zeigte sich der hereinbrechende Winter ab Österreich weniger gnädig.

Tauernautobahn

Uns bescherte es einen vorerst letzten Abschied aus bekannter Umgebung mit malerisch schneebedeckten Alpengipfeln. Ab sofort gilt für uns: Home is where we park it.