Türkei von Nord nach Süd – Quer durchs Land Teil 1
Am 15. Januar fahren wir in die Türkei. Da wir verwöhnten Europäer Grenzen kaum noch kennen, sind wir gespannt, welche Kontrollen auf uns warten.
Zu unserer Überraschung will der erste Zollbeamte gar nicht unsere Pässe sehen, sondern uns lediglich zur Begrüßung die Hand schütteln. Dann gibt es aber doch einige Formalitäten zu erledigen. Fahrzeugschein und der Nachweis über eine in der Türkei gültige Autoversicherung werden geprüft, damit eine zeitlich begrenzte Einfuhrerlaubnis für das Fahrzeug in den Pass des Halters eingetragen werden kann. In den Reisepass wird außerdem das Einreisedatum gestempelt, da man sich als deutscher Staatsbürger bis zu drei Monate ohne Visum in der Türkei aufhalten darf. Ist man kein Fahrzeughalter, kann man auch mit dem Personalausweis einreisen, muss jedoch den Stempel auf einem separatem Zettel bis zur Ausreise aufbewahren. Na dann los und auf nach Istanbul.
Unser erstes Ziel war die Mega-Metropole mit ihren etwa 15 Millionen Einwohnern. Ist das Fahren in fremden Großstädten schon mit einem Pkw eine kleine Herausforderung, bedeutet dies mit einem Lkw für Fahrer und Beifahrer höchste Konzentration. Der Fahrer muss es schaffen, irgendwie im Strom mitzuschwimmen, spontan anhaltenden Dolmusen (falls dies die Mehrzahl von Dolmus ist) auszuweichen und natürlich schlagartig die Spur zu wechseln, wenn der Beifahrer plötzlich meint, den vielleicht richtigen Weg gefunden zu haben. Außerdem muss unbedingt darauf geachtet werden, möglichst oft zu Hupen. Gehupt wird immer dann, wenn man an ein Fahrzeug überholt oder an ihm vorüber fährt. Bei einer mehrspurigen Einfallstraße in das Stadtzentrum bedeutet dies folglich: permanent. Aber auch der Beifahrer ist erhöhtem Stress ausgesetzt. Er muss sämtliche Verkehrschilder lesen, Namen mit der meist viel zu ungenauen Karte abgleichen und Entscheidungen treffen, die im Zweifel allzuoft in viel zu kleinen Gassen enden, aus denen es trotz intensiven Hupens kaum noch ein Zurück gibt. Hinzu kommt, dass man nicht nur durch die Stadt hindurch finden muss, sondern man hätte ja auch gerne noch einen schönen ruhigen Stellplatz für einige Tage. Am besten natürlich direkt im Zentrum.
Istanbul hat unsere Geduld jedoch nicht herausgefordert, wir haben auf Anhieb einen Stellplatz gefunden, auch wenn er eher funktional als schön war.
Der Dauerregen und vor allem zwei kleine Lecks im Dach, haben uns Istanbul ein wenig verleidet, wenngleich Istanbul eine beeindruckende Stadt ist und eine Vielzahl an Sehenswürdigkeiten aufzuweisen hat. So zum Beispiel die blaue Moschee, deren massive Säulen mit einem Durchmesser von über fünf Meter den wohl kommenden Erdbeben standhalten sollen.

In Istanbul treffen wir auch Marie und Sebastian wieder, die wir bei den Meteoraklöstern kennengelernt hatten. Da wir zu einer Zeit reisen, in der nicht viele Touristen unterwegs sind, tut es ab und zu richtig gut, sich ein wenig austauschen zu können.
Am 20.01.10 ist es dann soweit, wir verlassen Europa und fahren über die Bosporusbrücke nach Asien.
Obwohl die Schwarzmeerküste für viel Regen bekannt ist, wollen wir nicht darauf verzichten, auch von diesem Teil der Türkei einen kleinen Bereich zu erkunden. Die Karte des ADAC kennt jedoch Straßen, die nicht existieren und so machen wir unfreiwillig weitere Erfahrungen mit dem Lkw abseits befestigter Wege. Auch kleine Straßen können ihre Tücken haben. Da wäre einmal die Enge der Straße, die ein Umfahren der Schlaglöcher kaum möglich macht, die in die Straße ragenden Bäume, die allzugern mit den Solarzellen kollidiern möchten und Stromleitungen, die in willkürlicher Höhe von Haus zu Haus gespannt sind.
Nachdem wir, wegen der nicht vorhandenen Küstenstraße, durch das Landesinnere geirrt sind, gelangten wir schließlich doch an die Schwarzmeerküste und kamen sogleich zum ersten Mal in den Genuss türkischer Gastfreundschaft. Ein Familienvater lädt uns zum Cay ein, aber ehe wir uns versehen, wird daraus ein ganzes Festmahl. Es ist wirklich bewundernswert mit wie viel Offenheit man Fremden begegnen kann.



Die Händler in Safranbolu sind längst auf Touristen eingestellt und reihen ihre Waren dekorativ vor ihren Läden auf. Damit dies nicht Überhand nimmt, gibt es Markierungen am Boden, die anzeigen, wieweit die Außenstände in die Gassen ragen dürfen.
Hat es in Safranbolu bereits wieder angefangen zu schneien, wird es auf dem Weg nach Kappadokien richtig kalt. Geschätzte 15° minus am Tuz Gölü lassen das Butangas gefrieren und den griechischen Schönwetterdiesel versulzen. Doch die Sonne hilft uns nach einiger Zeit aus der Misere, erwärmt die Tanks, schmilzt das gebildete Paraffin und lässt den Treibstoff wieder flüssig werden. An der nächsten Tankstelle mischen wir einen kräftigen Schuß Normalbenzin zum Diesel und sind damit für die kommenden kalten Nächte gewappnet.


Auf dem Weg in die Ihlara-Schlucht begegnen uns auf einem Feldweg, den wir eingeschlagen hatten, um eine kurze Pause zu machen, zwei ältere Männer, die uns sogleich zum Tee einladen. Wir nehmen diese an und landen in einer anderen Welt. Ismail lebt mit seiner Frau in einem kleinen Steinhaus, bestehend aus einem Vorraum und einem ähnlich großen, durch einen Holzherd geheizten Wohnraum. Auch diesmal wird aus dem Cay ein ganzes Essen, mit gefüllten Fladen, Oliven, selbstgemachten Schafskäse und frischer Milch. Unsere nicht vorhandenen Türkischkenntnisse verhindern zwar eine Unterhaltung, aber Ismail hat eine ganz eigene Methode aus einer Mischung von Pantomime und Schreien entwickelt, die wenigstens teilweise von Erfolg gekrönt ist. So verstehen wir zumindest, dass sie sich darüber freuen würden, wenn wir ein paar Fotos machen und sie ihnen schicken würden. Dazu sind wir natürlich gern bereit, hatten wir doch den Foto ursprünglich aus Höflichkeit im Auto gelassen.
Ismail und seine Frau zeigen uns ihre Tiere, die selbstverständlich mit aufs Bild sollen. Da wären Schafe, Ziegen, Hühner, Hunde und Tauben. Die Ställe hat Ismail eigenhändig aus dem Fels hinter dem Haus geschlagen. Von außen kaum sichtbar, bieten die weit in den Fels reichenden Höhlen mehr als hundert Tieren Platz.
Erneut hat uns der Zufall und die Offenheit der Menschen unvergessliche Momente beschert.
Diese Begegnungen sind es, die das Reisen reisenswert machen, die Landschaften und Kulturgüter eines Landes sind zwar sehenswert, öffnen aber nicht die Herzen für fremde Kulturen.
Wir setzen unseren Weg fort und entdecken eine kleine 40° heiße Quelle. Bei Außentemperaturen von gut 10° minus ist es gar nicht so einfach, seine in kürzester Zeit kalt gefrorenen Füße in das heiße Wasser zu stecken. Während der eine Körperteil friert, scheint der andere zu verbrühen. Hat man den Temperaturunterschied dann überstanden ist es eine Wohltat. Aufgewärmt sind wir fit für die Weiterfahrt in die Ihlara-Schlucht.


Die 15 Kilometer lange Schlucht beherbergt mittelalterliche Felsenkirchen, welche zu den schönsten Kappadokiens zählen sollen. Im 8. Jahrhundert diente das Tal byzantinischen Mönchen als Rückzugsgebiet. Leider wurden etliche Fresken mutwillig durch Herausschlagen der Gesichter oder Einritzen von Sprüchen und Namen beschädigt. Die in den Fels geschlagenen Kirchen hinterlassen dennoch allein durch ihre besondere Raum- und Lichtstimmung einen bleibenden Eindruck.
Selbst der schönste Sonnenschein kann nicht über die bittere Kälte hinwegtäuschen und so geht es weiter in Richtung Süden, durch schneebedeckte Landschaften, in deren Konturen sich erloschene Vulkankrater abzeichnen. Entlang der Straßen befinden sich regelmäßig braune Schilder, die auf unzählige Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung hinweisen. Die „Rote Kirche“ ist bereits von Weitem sichtbar und lohnt wahrlich einen kleinen Abstecher. Die Türkei ist so reich an Überresten Jahrtausende alter Besiedelung, dass man sich hier um viele nicht weiter kümmert, man lebt einfach mit ihnen.































