„Wenn er nicht kaputt ist, fährt er ganz gut“, übersetzt Tatjana lachend die Worte ihres Ehemanns, der auf den weißen Bus hinter uns zeigt. Tatsächlich erleben wir so ähnliche Reaktionen fast täglich. Der spartanische UAZ Buchanka ist bei der Bevölkerung nicht sehr angesehen, dabei ist er für diese Region genau richtig. Aber wo befinden wir uns überhaupt?
Wir sind unterwegs in den Republiken Inguschetien, Nordossetien-Alanien, Kabardino-Balkarien und Karatschai-Tscherkessien. Noch nie gehört? Ich auch nicht. Zumindest nicht, bis uns Andreas von UAZ Family vorgeschlagen hatte, diese Region mit einem ihrer Fahrzeuge zu erkunden. Vor einigen Jahren waren wir mit dem selben Bus bereits in Dagestan und hatten Land und Leute lieben gelernt (hier geht’s zum Dagestan-Video) – Grund genug ins Blaue hinein zuzusagen.
Wir hatten keine Ahnung von der Region, aber das reizt uns ja gerade am Reisen: Ein Gefühl für Gebiete zu entwickeln, die auf unserer inneren Landkarte noch einen weißen Fleck darstellen.
Mittlerweile hat sich dieser Fleck gefüllt mit gigantischen Bergpanoramen, einsamen Stellplätzen, vorüber galoppierenden Wildpferden und Schafherden, die die oft holprige Piste blockieren. Mit russischen Touristen, die sich um Sehenswürdigkeiten scharren und die wegen der vielen Heilquellen die Region bereisen. Wir konnten Arsen begleiten, der mit uns in einem abgelegenen Flusstal Versteinerungen suchte, wurden von dem Hirten Akraman zum Hammeleintopf eingeladen und staunten über einen Autolift aus Sovietzeiten.



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Von Julia, einer jungen Touristenführerin aus Pjatigorsk, hatten wir den Tipp bekommen, den Elbrus von Norden, „der weniger touristischen Seite“ anzufahren und dort das Bergsteiger-Camp anzusteuern. Der Himmel ist verhangen. Es ist nasskalt. Nebel drückt herab. Vom Elbrus ist nichts zu sehen. Aber weniger touristisch? Entlang der letzten Kilometer bis zum Ende des Tals reihen sich Zelt an Zelt, in allen Größen und Formen, dazwischen immer wieder Bretterverschläge, die wohl als Toilette oder Dusche dienen. Wo sind wir hier gelandet? Ein Blick aufs GPS verrät, dass das Bergsteiger-Camp ganz nah sein muss, doch jetzt endet die Straße. Wir blicken uns um. Es wirkt, als hätten sich die Menschen hier für mehrere Wochen niedergelassen. Die Stimmung erinnert an ein verregnetes Festival, nur dass keine Musik spielt. Was wollen alle diese Menschen hier? Wie Bergsteiger sehen sie nicht aus. Wir laufen durch das improvisierte Camp. In den Vorzelten stapeln sich Vorräte und Küchenutensilien, vor Dieben hat man hier keine Angst. Wir wirken wohl etwas verloren und werden von einem jungen Mann angesprochen, der uns sogleich zum Tee einlädt. Schnell stellt er ein paar Sitzgelegenheiten zusammen und setzt einen Topf Wasser auf den Gaskocher. Verständigen können wir uns nur mit Händen und Füßen, aber wir erfahren, dass er mit einem Bekannten für drei Wochen aus Dagestan hierher gekommen ist, um seine Magenprobleme zu kurieren. Am Fuße des Elbrus befänden sich Heilquellen, dessen Wasser er jeden Tag trinke und das ihm schon etwas geholfen hätte. Mein Gott, bei dieser feuchten Kälte drei Wochen im Zelt? Da braucht man eine gute Natur. Aber das erklärt, warum hier ganze Familien und auch alte Menschen ihr Lager aufgeschlagen haben. Wir trinken den heißen, süßen Tee und bedanken uns, für die große Gastfreundschaft.
Für uns ist dieser Ort nichts. Wir fahren ein Stück zurück aus dem Tal und versuchen unser Glück auf einer Nebenstraße. „Bist du dir sicher, dass sich der Weg eignet, um einen Stellplatz zu finden?“ wundert sich Thomas über meine Navigationskünste. Gerade als wir schon wenden wollen, halten zwei Fahrzeuge neben uns. „Wir sind unterwegs zum Bergsteiger-Camp“, erklärt eine Insassin auf Englisch. „Wenn ihr einen Stellplatz sucht, folgt uns einfach.“ Das tun wir mit Mühe, denn die Straße ist bei diesen Witterungsverhältnissen nicht leicht zu fahren. Und tatsächlich nach etwa zwanzig Minuten erreichen wir ein breites Flusstal. Pferde äsen, ein Gruppe Männer repariert gerade ein Stück abgespülte Straße und winkt uns freundlich zu. Hier könnten wir für die Nacht bleiben. Der kleine Konvoi hält an. „Wir versuchen jetzt den Fluss zu queren, um zum Bergsteigercamp zu kommen. Mit unserem Anhänger könnte das schwierig werden. Ihr könnt ja filmen, wie wir gleich im Fluss stecken bleiben“, lacht die junge Bergsteigerin. Wir beobachten genau, wo die Furt verläuft und als sie gut am anderen Ufer ankommen, sind wir uns einig: Das schaffen wir auch.
„Wofür?“, frage ich mich allerdings, bei dem Nebel sieht jeder Fleck aus wie der andere. Doch als wir am nächsten Morgen von den ersten Sonnenstrahlen geweckt werden und aus dem Busfenster blicken, wissen wir warum. Aus dem strahlend blauem Himmel erhebt sich direkt hinter uns mit 5642m und 5621m der gletscherbedeckte Doppelgipfel des Elbrus.

Da die genannten Republiken alle zu Russland gehören, braucht es für die Einreise nur ein Visum. Lediglich für die Gebiete, die direkt an Georgien angrenzen und sich in der sog. „Grenzzone“ befinden, können nur mit separater Genehmigung betreten werden. Diese zu beantragen, kann mehrere Monate dauern. Wir hatten das Glück, dass wir dank Andreas eine solche Erlaubnis für Inguschetien hatten, ohne die wir die einzigartigen Turmdörfer, die diese Region prägen, nicht hätten besuchen können.


Im Buchanka ging es 2000 Kilometer teils über Stock und Stein, Abhänge hinauf und hinab, durch Matsch und Geröll. Bequem ist das nicht. Komfort sucht man bei dem russischen Kleinbus vergebens, aber dafür macht er all das problemlos mit. Bleibt weder stecken, noch sitzt er dank großer Bodenfreiheit auf und ist wendig genug für die kleinen Passstraßen und Kurven im Kaukasus. Innen praktisch zum Campingmobil ausgebaut, diente er uns als gemütliche Zuhause, ob im warmen Flachland oder im kühlen Hochland auf über 2000m.
Wenn ihr mehr über die Region erfahren wollt – wir berichten im aktuellen Explorer 07/2025 ausführlich über die Reise. Auch ein Kurzfilm wird wieder entstehen.
Lust selbst loszuziehen? Dann wendet euch gerne an Andreas von UAZ Family – er wird unsere Erfahrungen in den nächsten Jahren in neue Routenvorschläge mit einfließen lassen.

