USA. Ein Fazit.
Die Vereinigten Staaten von Amerika waren eines der Länder auf unserer Reise, auf das wir am stärksten gespannt waren. Ein Land, das mit seiner Ausstrahlung, seinen Ideen und Medien, seiner Technologie, Filmindustrie, Musik, Mode und nicht zuletzt seiner Wirtschaft und Außenpolitik die heutige zentraleuropäische Lebensart stärker beeinflusst als jede andere Nation. Drei Monate sind wir nun insgesamt durch den Westen der USA gereist, was haben wir erfahren? Haben sich unsere Vorstellungen bestätigt, haben wir das Gefühl dieses Land zu kennen? Sind wir positiv oder negativ überrascht worden?

U-S-A, U-S-A! Dieses Land, das seinen einst so positiven Ruf von Freiheit, unbegrenzten Möglichkeiten und der schönen neuen Welt in den letzten Jahrzehnten, insbesondere während der Präsidentschaft von George W. Bush, verloren hatte. Wer sich die Außenwirkung der USA und das mediale Echo der vergangenen Jahre in Erinnerung ruft, wird bemerken, wie sehr sich die gesellschaftliche Stimmung während dieser Zeit gegen die Vereinigten Staaten gewandt hat. Ein Gremium aus 109 Experten wählte George W. zum schlechtesten US-Präsidenten aller Zeiten.
Welch verheißungsvolles Signal der Wende strahlte danach die Wahl von Barack Obama in die ganze Welt aus! Wir reisten im Januar 2009 durch Äthiopien, auf den staubigen Straßen von Addis Abeba liefen die Menschen nach den Präsidentschaftswahlen in den USA mit bunten Obama-T-shirts durch die Straßen, die ganze Welt schien damals von einer großen Sorge erleichtert worden zu sein. Was bekommt man von der Politik mit, wenn man nun selbst durch das Land der Bushs und Obamas reist?
Einige Aufkleber auf den Autos, die sich für oder gegen Obamas Politik aussprechen. Eine Eskorte beim Abholen des Fahrzeugs am Hafen als Folge der verschärften Bestimmungen zur ‘Homeland Security’. Ein buntes Grüppchen Demonstranten der ‘Occupy’-Bewegung in San Francisco. Mit der Politik in den Staaten hatten wir auf unserer Reise weniger Begegnungen als an einem Sonntagmorgen, wenn man durch die Süddeutsche Zeitung blättert. Unsere Route führte schließlich weit an Washington D.C. und dem Weißen Haus vorbei. Wir trafen Menschen, unterhielten uns im Café über Gott und die Welt, Kampierten in der Wildnis, sahen Seattle und San Francisco, Las Vegas und Los Angeles, wanderten entlang des Grand Canyon und durch die Redwoods. Was bleibt einem nun von den Vereinigten Staaten am stärksten in Erinnerung?
Die Menschen. Wir hatten unzählige nette, sympathische Begegnungen. Jeder nimmt sich Zeit für einen kurzen Plausch oder ein längeres Gespräch. Überall. Ob beim Bäcker oder an der Tankstelle, beim Einkaufen oder in der Freizeit. Jeden den wir trafen, hat uns gerne weitergeholfen. Einmal öfter erinnern wir uns mit dem USA an ein Land, in dem wir mit großer Offenheit und Gastfreundschaft empfangen wurden. Unbestritten ist es auch ein immenser Vorteil, eine gemeinsame Sprache zu sprechen, es bringt uns ein großes Stück näher an die Menschen und ihre Ideen heran. Bereits die ersten Tage im Land, als wir Jessas Couch surfen durften, während wir auf unser Fahrzeug warteten und von Vera und Lou zum Ausflug an den Mount Saint Helens eingeladen wurden, waren ein absolut großartiger Start unserer Reise auf diesem neuen Kontinent.
Wer unseren Blog regelmäßig verfolgt hat oder eine unserer Diashows im vergangenen Januar besuchen konnte, wird sich sicherlich an die vielen landschaftlichen Highlights in den USA erinnern. Besonders herauszustellen sind aus unserer Sicht dabei sicherlich die vielen Annehmlichkeiten, die überall im Land zu finden sind. Informative Besucherzentren, die landschaftliche Besonderheiten in den Nationalparks erklären, greifbar gemacht und einfach toll aufgearbeitet – ob im Yosemite Nationalpark oder am Grand Canyon, in jedem kleinen Dorf und jeder Verwaltungsstelle der Nationalwälder. Als Besucher bekommt man kostenloses Informationsmaterial, Wanderkarten und immer ist ein Ranger zur Stelle, der freundlich, kompetent und anschaulich alle nur denkbaren Fragen zu beantworten weiß. Man versteht es, die grandiosen Landschaften dieses Landes erlebbar zu machen und den Besucher ganz nebenbei, mit gut aufbereiteten Informationen für die jeweilige Besonderheit des Monuments oder Nationalparks zu begeistern.

Mit dem Wohnmobil lässt sich das ganze doppelt gut erleben, das Land ist übersät von Einrichtungen für Camper und Wohnmobilisten, viele davon sogar gratis. Wer nicht auf einen permanenten Strom- und Wasseranschluss für sein Fahrzeug angewiesen ist, kann kostenlos in traumhafter Umgebung in vielen National-Forests, auf sogenannten BLM-Land oder überall dort stehen, wo es keinen stört. Nur ein einziges Mal in drei Monaten wurden wir von unserem Stellplatz vertrieben. An der Pazifikküste pochten die beiden halbwüchsigen Söhne eines Landbesitzers auf dessen Eigentumsrecht und drängten uns zum Weiterfahren. Unwohl gefühlt haben wir uns in den Staaten nicht ein einziges Mal, auch nicht, wenn wir fernab der Zivilisation in Wäldern oder einsam zwischen Dünen standen.
Letztlich haben wir zwar nur einen kleinen Teil des Landes gesehen, die Westküste und einen Teil des Südwestens: Washington, Oregon, Kalifornien, Nevada, Arizona und Utah – nur sechs der 50 Bundesstaaten, aber wir glauben trotzdem etwas Gespür für dieses Land bekommen zu haben.
Selbstverständlich versteht man als Zentraleuropäer nicht immer alles, was die amerikanische Seele so ausmacht, doch das Gefühl für Land und Leute ist im Nachhinein sehr positiv. Viel positiver als die mediale Außenwirkung dieses Landes. Einmal öfter auf unserer Reise erfahren wir, dass es ein vollkommen anderes Bild zeichnet, ein Land selbst zu bereisen, Menschen zu begegnen und sich mit ihnen und ihren Ideen auseinanderzusetzen, als sich auf ein Zerrbild zu beschränken, wie es in den Massenmedien vermittelt wird. Das gilt für die USA ebenso wie für den Iran.
Und wenn man in einer Unterhaltung doch mal auf das Thema ‘Politik’ zu sprechen kommt, können wir uns auch die Frage nicht verkneifen, warum in diesem Land einmal eine Mehrheit George W. Bush zum Präsidenten gewählt hat. Die Antwort die wir bekommen haben, war bisher immer die gleiche: „Es hat überhaupt keine Mehrheit George W. Bush zu Präsidenten gewählt!“

































