USA. Ein Fazit.

15. März 2012 • Kategorie: Reiseberichte Amerika • Kommentare: Kommentare deaktiviert

Die Vereinigten Staaten von Amerika waren eines der Länder auf unserer Reise, auf das wir am stärksten gespannt waren. Ein Land, das mit seiner Ausstrahlung, seinen Ideen und Medien, seiner Technologie, Filmindustrie, Musik, Mode und nicht zuletzt seiner Wirtschaft und Außenpolitik die heutige zentraleuropäische Lebensart stärker beeinflusst als jede andere Nation. Drei Monate sind wir nun insgesamt durch den Westen der USA gereist, was haben wir erfahren? Haben sich unsere Vorstellungen bestätigt, haben wir das Gefühl dieses Land zu kennen? Sind wir positiv oder negativ überrascht worden?

Winnie

U-S-A, U-S-A! Dieses Land, das seinen einst so positiven Ruf von Freiheit, unbegrenzten Möglichkeiten und der schönen neuen Welt in den letzten Jahrzehnten, insbesondere während der Präsidentschaft von George W. Bush, verloren hatte. Wer sich die Außenwirkung der USA und das mediale Echo der vergangenen Jahre in Erinnerung ruft, wird bemerken, wie sehr sich die gesellschaftliche Stimmung während dieser Zeit gegen die Vereinigten Staaten gewandt hat. Ein Gremium aus 109 Experten wählte George W. zum schlechtesten US-Präsidenten aller Zeiten.

Welch verheißungsvolles Signal der Wende strahlte danach die Wahl von Barack Obama in die ganze Welt aus! Wir reisten im Januar 2009 durch Äthiopien, auf den staubigen Straßen von Addis Abeba liefen die Menschen nach den Präsidentschaftswahlen in den USA mit bunten Obama-T-shirts durch die Straßen, die ganze Welt schien damals von einer großen Sorge erleichtert worden zu sein. Was bekommt man von der Politik mit, wenn man nun selbst durch das Land der Bushs und Obamas reist?

Einige Aufkleber auf den Autos, die sich für oder gegen Obamas Politik aussprechen. Eine Eskorte beim Abholen des Fahrzeugs am Hafen als Folge der verschärften Bestimmungen zur ‘Homeland Security’. Ein buntes Grüppchen Demonstranten der ‘Occupy’-Bewegung in San Francisco. Mit der Politik in den Staaten hatten wir auf unserer Reise weniger Begegnungen als an einem Sonntagmorgen, wenn man durch die Süddeutsche Zeitung blättert. Unsere Route führte schließlich weit an Washington D.C. und dem Weißen Haus vorbei. Wir trafen Menschen, unterhielten uns im Café über Gott und die Welt, Kampierten in der Wildnis, sahen Seattle und San Francisco, Las Vegas und Los Angeles, wanderten entlang des Grand Canyon und durch die Redwoods. Was bleibt einem nun von den Vereinigten Staaten am stärksten in Erinnerung?

Die Menschen. Wir hatten unzählige nette, sympathische Begegnungen. Jeder nimmt sich Zeit für einen kurzen Plausch oder ein längeres Gespräch. Überall. Ob beim Bäcker oder an der Tankstelle, beim Einkaufen oder in der Freizeit. Jeden den wir trafen, hat uns gerne weitergeholfen. Einmal öfter erinnern wir uns mit dem USA an ein Land, in dem wir mit großer Offenheit und Gastfreundschaft empfangen wurden. Unbestritten ist es auch ein immenser Vorteil, eine gemeinsame Sprache zu sprechen, es bringt uns ein großes Stück näher an die Menschen und ihre Ideen heran. Bereits die ersten Tage im Land, als wir  Jessas Couch surfen durften, während wir auf unser Fahrzeug warteten und von Vera und Lou zum Ausflug an den Mount Saint Helens eingeladen wurden, waren ein absolut großartiger Start unserer Reise auf diesem neuen Kontinent.

Wer unseren Blog regelmäßig verfolgt hat oder eine unserer Diashows im vergangenen Januar besuchen konnte, wird sich sicherlich an die vielen landschaftlichen Highlights in den USA erinnern. Besonders herauszustellen sind aus unserer Sicht dabei sicherlich die vielen Annehmlichkeiten, die überall im Land zu finden sind. Informative Besucherzentren, die landschaftliche Besonderheiten in den Nationalparks erklären, greifbar gemacht und einfach toll aufgearbeitet – ob im Yosemite Nationalpark oder am Grand Canyon, in jedem kleinen Dorf und jeder Verwaltungsstelle der Nationalwälder. Als Besucher bekommt man kostenloses Informationsmaterial, Wanderkarten und immer ist ein Ranger zur Stelle, der freundlich, kompetent und anschaulich alle nur denkbaren Fragen zu beantworten weiß. Man versteht es, die grandiosen Landschaften dieses Landes erlebbar zu machen und den Besucher ganz nebenbei, mit gut aufbereiteten Informationen für die jeweilige Besonderheit des Monuments oder Nationalparks zu begeistern.

Navajo Land

Mit dem Wohnmobil lässt sich das ganze doppelt gut erleben, das Land ist übersät von Einrichtungen für Camper und Wohnmobilisten, viele davon sogar gratis. Wer nicht auf einen permanenten Strom- und Wasseranschluss für sein Fahrzeug angewiesen ist, kann kostenlos in traumhafter Umgebung in vielen National-Forests, auf sogenannten BLM-Land oder überall dort stehen, wo es keinen stört. Nur ein einziges Mal in drei Monaten wurden wir von unserem Stellplatz vertrieben. An der Pazifikküste pochten die beiden halbwüchsigen Söhne eines Landbesitzers auf dessen Eigentumsrecht und drängten uns zum Weiterfahren. Unwohl gefühlt haben wir uns in den Staaten nicht ein einziges Mal, auch nicht, wenn wir fernab der Zivilisation in Wäldern oder einsam zwischen Dünen standen.

Letztlich haben wir zwar nur einen kleinen Teil des Landes gesehen, die Westküste und einen Teil des Südwestens: Washington, Oregon, Kalifornien, Nevada, Arizona und Utah – nur sechs der 50 Bundesstaaten, aber wir glauben trotzdem etwas Gespür für dieses Land bekommen zu haben.

Selbstverständlich versteht man als Zentraleuropäer nicht immer alles, was die amerikanische Seele so ausmacht, doch das Gefühl für Land und Leute ist im Nachhinein sehr positiv. Viel positiver als die mediale Außenwirkung dieses Landes. Einmal öfter auf unserer Reise erfahren wir, dass es ein vollkommen anderes Bild zeichnet, ein Land selbst zu bereisen, Menschen zu begegnen und sich mit ihnen und ihren Ideen auseinanderzusetzen, als sich auf ein Zerrbild zu beschränken, wie es in den Massenmedien vermittelt wird. Das gilt für die USA ebenso wie für den Iran.

Und wenn man in einer Unterhaltung doch mal auf das Thema ‘Politik’ zu sprechen kommt, können wir uns auch die Frage nicht verkneifen, warum in diesem Land einmal eine Mehrheit George W. Bush zum Präsidenten gewählt hat. Die Antwort die wir bekommen haben, war bisher immer die gleiche: „Es hat überhaupt keine Mehrheit George W. Bush zu Präsidenten gewählt!“

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USA. Gemeinsame Tage in der Kakteenwüste.

09. März 2012 • Kategorie: Reiseberichte Amerika • Kommentare: Kommentare deaktiviert

Als wir uns letztes Jahr im August für einige Tage mit Familie Praschel in Kanada trafen, stand für uns alle fest, dass wir uns in Mexiko wiedersehen wollten. Heike, Tom, Paula und Emma waren bereits auf der Baja Califormia in Mexiko unterwegs und haben nach zwei Jahren auf Reisen beschlossen sich nun langsam auf dem Heimweg in Richtung Deutschland zu machen. So freuen wir uns bereits südlich von Phoenix, in der Kakteenwüste im südlichen Arizona, früher als gedacht auf ein paar gemeinsame Tage.

Mittlerweile verbinden uns zwei Jahre gemeinsame Reiseerfahrung, in denen wir uns immer mal wieder getroffen haben. Im Iran lernten wir uns im Schraubervietel von Esfahan kennen, in Kirgistan standen wir zusammen vor der geschlossenen Grenze, als im Süden des Landes Bürgerkrieg ausgebrochen war, wir holperten auf einigen Streckenabschnitten Seite an Seite durch die Mongolei. Im vergangenen Herbst feierten wir im Osten Kanadas die gemeinsame Weltumrundung und so freuen wir uns auch diesmal sehr, dass sich unsere Reiserouten noch einmal kreuzen.

Jim Kortsen Park

Kaktus und Funkmast

Der Platz auf dem wir stehen ist traumhaft schön, mitten zwischen den typischen, riesigen Saguaro-Kakteen, die Berge im Hintergrund und mittendrin einmal öfter einer der vielen kostenlosen Campingplätze mit Feuerstelle, einem Grill und einem schattenspendenden Dach um ein wenig Schutz vor der brennenden Wüstensonne zu finden.

So vergeht ein Tag nach dem anderen. Tom und Thomas können ihre Faszination für den Mercedes Kurzhauber teilen, gemeinsam unter den Lkws herumkriechen und sich stundenlang über die Tücken von Antriebswellen, Ventildeckeldichtungen und Ölbadluftfiltern unterhalten. Ich bin froh, dass Tom uns beim Einbau der neuen Wasserpumpe am Motor behilflich ist und verbringe meine Nachmittage statt unter dem Lkw lieber mit Heike, Emma und Paula. Eine ganze Woche vergeht mit Erzählungen, Reparaturarbeiten an den Lkws, der Suche nach Bäumen an denen Limonade wächst, gemeinsamen Kochen, Backen und gemütlichen Abenden am Lagerfeuer, bevor unsere Wege einmal öfter in unterschiedliche Richtungen führen.

Hilfe von Tom

OM 352 Wasserpumpe

Für uns geht es nun weiter nach Mexiko, für Praschels quer durch den Süden der USA. Noch einmal winken uns viele große und kleine Arme aus dem roten 710er entgegen und schon sind wir wieder alleine unterwegs. Es wird kein Abschied für lange. Wir planen schon jetzt einen gemeinsamen Lagerfeuerabend an einem lauen Sommerabend, wenn wir im kommenden September wieder für ein paar Monate in die Heimat zurückfliegen werden. Dann sind vielleicht auch Schwarzmeiers schon von ihrer weiten Reise zurück und wir sind gespannt, welche interessanten Erlebnisse Diana, Wolfgang und Gaia von ihrem abenteuerlichen Weg mit dem Lkw durch Tibet, Nepal und Indien zu berichten haben. So freuen wir uns schon jetzt auf ein großes Wiedersehensfest der kleinen oberpfälzer Reisegemeinde.

Abschied-bis-Herbst

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USA. Die adoptierte Autobahn.

04. März 2012 • Kategorie: Reiseberichte Amerika • Kommentare: Kommentare deaktiviert

Ist man auf den Schnellstraßen in den USA unterwegs, fallen einem früher oder später Schilder am Straßenrand auf: „Adopt the Highway“. Tatsächlich muss es möglich sein einen Straßenabschnitt zu adoptieren. Familien, Geschäfte und Vereine, sogar Waffenläden und Bataillone der Armee scheinen landesweit Straßenabschnitte zu adoptieren. Aber wozu?
Adopt a highway

Wir wollen es genau wissen, fragen nach und erfahren, dass eine Adoption mit einer Reinigungsverpflichtung einhergeht. Wer also seinen Namen, manchmal verbunden mit Grüßen, einer Liebeserklärung, einem Nachruf oder einem Werbeslogan an den Hauptstraßen platzieren möchte, verpflichtet sich, entlang dieses Straßenabschnitts Müll und Unrat aufzulesen. Gut, jetzt wissen wir schon etwas mehr, aber so ganz können wir uns das immer noch nicht vorstellen. Ist das nicht etwas riskant, wenn Familien am Wochenende losziehen, um eine mehrspurige Autobahn zu säubern?

Doch schon bald sollen wir Zeugen einer solchen Reinigungsaktion werden. Gerade als wir uns auf der Interstate von Norden der Stadt Phoenix nähern, machen uns mehrere Hinweisschilder darauf aufmerksam, dass auf dem kommenden Straßenabschnitt gearbeitet wird. Ab einer Meile später warnen dutzende orangefarbene Fahnen am Straßenrand vor der nahenden Engstelle, gefolgt von hunderten Pylonen, die die rechte Fahrbahnspur abtrennen und einem Baustellenfahrzeug mit Warnblinkern, das die Spur blockiert. Noch immer ist nicht zu erkennen, was genau hier gearbeitet wird.

Right lane closed

Die Pylonen ziehen sich weiter, etliche blinkende Sicherheitsfahrzeuge mit Warntafeln sind in strategischem Abstand auf der rechten Spur postiert. Was ist hier los? Schließlich entdecken wir die Ursache: Dutzende hoch motivierte Bürger tummeln sich auf dem Seitenstreifen und sammeln Abfall in große Müllsäcke, mit Handschuhen, Leuchtwesten und Greifzangen bewaffnet.

Die adoptierte Autobahn 1

Die adoptierte Autobahn 2

Die adoptierte Autobahn 3

In diesem Moment erinnern wir uns an unsere Fahrt durch China. Um in China eine mehrspurige Autobahn zu reinigen, benötigt man lediglich eine Person mit einem Reisigbesen. Kein Fahrzeug, keine Pylonen, keine Absperrung, kein Hinweisschild, keine Leuchtwesten. Dort wird die Autobahn unentwegt, Tag ein, Tag aus gekehrt. Auch die Überholspur. Im fließenden Verkehr. Und auch im unbeleuchteten Tunnel. Was wohl ein chinesischer Tourist über die adoptierten Autobahnen in Amerika denken mag?

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USA. Route 66 – Die verstaubte Legende.

28. Februar 2012 • Kategorie: Reiseberichte Amerika • Kommentare: Kommentare deaktiviert

Die Route 66, besungen, verfilmt, ein Symbol für die Vereinigten Staaten, bekannt als Name, aber was steckt dahinter?

Route 66 in Concrete
Die Zeiten der Route 66 sind vorbei. Ein Symbol für den Aufbruch nach Westen, die Besiedlung eines endlos weiten Landes, der Besitzergreifung ohne Grenzen. Stoßrichtung für Heimatlose, Erfolglose, Glückssucher und Pioniere. Später dann für all jene, die dieses Gefühl nachempfinden wollten und in den späten Fünfziger und Sechzigern den Traum des einst so endlos weiten Landes, des ‘Wilden Westens’, noch einmal träumen wollten.
Damals rumpelten die alten Kisten über staubige, holprige Straßen der untergehenden Sonne entgegen, heute, zur Zeit der sechsspurigen Interstate Highways, bleiben von der Route 66 ein paar Erinnerungsschilder an die einstige Bedeutung dieses besseren Feldweges.

Route 66 Old Buick

Heckflosse

Route 66 Old Chevrolet

Dort, wo die neuen Interstates vom historischen Streckenverlauf abweichen und die neue Autobahntrasse einige Schleifen der alten Streckführung auslässt, findet man noch Reste der ursprünglichen Route 66. Alte Motels und Kneipen, Tankstellen und Werkstätten, Cafés und Souvenirläden die damals zur Hoch-Zeit der legendären Straße mit allen erdenkbaren Kuriositäten und Verrücktheiten die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen bemühten. Jeder hatte versucht zwischen all den anderen herauszustechen, mit der noch verrückteren Werbebotschaft, der noch ausgefalleneren Dekoration, dem noch einprägsameren Logo.

Route 66 Butterfield

Route 66 Globetrotter Lodge

Sleep in a Wigwam

Viel ist davon nicht mehr übrig, außer ein paar übriggebliebenen Buden abseits der Autobahn, einige der liegengebliebenen Fahrzeugen einer Ära des Aufbruchs und des grenzenlosen Wachstums, einer Legende und einer Marke die man weltweit erkennt: Route 66.

Old 66 Leftover

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USA. Ein Wald aus Steinen.

23. Februar 2012 • Kategorie: Reiseberichte Amerika • Kommentare: Kommentare deaktiviert

Es geht Schlag auf Schlag. Kaum haben wir das Monument Valley verlassen wartet ein ganz anderes, nicht weniger faszinierendes Naturphänomen im Petrified Forest Nationalpark auf uns. Wie der Name schon sagt, soll es hier einen versteinerten Wald geben. Und tatsächlich, über eine riesige Fläche verstreut liegt ein Baumstamm neben dem anderen, es müssen Zigtausende sein.

Verkieseltes Holz

Holz - 215 Mio Jahre alt

Stammscheiben

Im späten Perm wuchsen diese Bäume in einer tropisch geprägten Region, zu einer Zeit, als Eurasien, Afrika, Nord- und Südamerika, Australien und die Antarktis gemeinsam auf dem zusammenhängenden Kontinent Pangaea lagen. Verblüffend, wie sehr diese Steine nach 215 Millionen Jahren noch dem einstigen Holzstamm ähneln. Rinde, Astlöcher, ja teilweise sind selbst die Jahresringe noch sichtbar. Erst ein Berühren lässt begreifen, dass es sich hier um Stein und nicht um Holz handelt. Teilweise haben riesige Stämme als Ganzes die Zeit überdauert, andere sind glatt, wie von einer Motorsäge geschnitten, in einzelne Segmente gebrochen, wieder andere sind bis auf Hackschnitzelgröße zerfallen und liegen verstreut auf dem staubtrockenen Wüstenboden.
Ein komisches Gefühl durch diese Millionen Jahre alten Bäume zu spazieren, die so jenseits von Zeit und Raum zu sein scheinen.

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USA. Land der Indianer.

16. Februar 2012 • Kategorie: Reiseberichte Amerika • Kommentare: Kommentare deaktiviert

Fünf Tage in Las Vegas, dieser einzigartig verrückten Stadt, dürften für ein Menschenleben reichen. Drei Tage hatten wir vergangenen Herbst in der Stadt verbracht, nach zwei weiteren Tagen zum Einstieg unserer dritten Reiseetappe verlassen wir nun vermutlich für immer ‘Sin City’. Wenige hundert Kilometer weiter, hinter der Grenze zu Utah, wartet unser Lkw. Zwischen den vielen riesigen, fünfzehn, zwanzig Meter langen amerinkanischen Wohnmobilen verschwindet er beinahe, doch wir finden ihn schließlich auf dem riesigen Gelände wohlbehalten zurück.

Endlich können wir die schweren Rucksäcke ablegen, alles in die Staukisten einräumen, uns ans Steuer setzen und starten. Naja, so schnell geht es doch mal wieder nicht. Wir hatten die Einspritzdüsen unseres Motors zum Überprüfen und Reinigen mit nach Deutschland genommen und so beginnt die neue Reiseetappe zunächst einmal mit ölverschmierten Fingern und Motorbastelei. Nach drei Stunden läuft die Kiste wieder und wir sind bereit für den weiteren Weg.

Bevor wir in den Süden nach Mexiko starten wollen, möchten wir noch einige Ecken im Südwesten der USA entdecken und eine ausgiebige Schleife durch mehrere Nationalparks ziehen. Der Winter hatte sich bereits im vergangenen November zur Stelle gemeldet als es uns auf einem Pass im Zion-Nationalpark eingeschneit hatte, seither sind die Temperaturen nochmals gefallen. Einmal öfter macht uns die kalte Jahrezeit einen Strich durch die Rechnung und Erinnerungen an den Beginn unserer Reise werden wach.

Einige Straßen sind wegen Erdrutschen oder Lawinengefahr für unbestimmte Zeit gesperrt und so müssen wir den bizarren Bryce-Canyon leider von unserer Liste streichen. Der Süden Utahs liegt größtenteils auf mehr als 1500 Metern über Null, dementsprechend niedrig sind die Temperaturen, nur der Arches Nationalpark liegt etwas niedriger.

Arches NP Backlight

Arches NP Südamerika

Auf unserer Wanderung durch diese einmal öfter einzigartige und faszinierende Landschaft aus schroffen roten Sandsteinformationen und gigantischen Steinbögen, die dem Park seinen Namen geben, sind wir dank der Jahreszeit nahezu alleine unterwegs. Kaum vorzustellen wie heiß es hier im Sommer ist, denn trotz der kalten Luft und einigen Restschneefeldern auf den Schattenseiten der Felsnadeln und -rippen spürt man die enorme Kraft der Sonne. Während wir tagsüber dank Sonnenschein angenehme Temperaturen um die 10-15 Grad haben, wird es nachts empfindlich kalt und das Thermometer sinkt weit unter den Gefrierpunkt.

North Window Arches NP

Im Lkw lässt es sich ganz gut aushalten, einzig der Motor tut sich jeden Morgen furchtbar schwer und lässt sich nur mit viel Überzeugungsarbeit zum Anspringen bewegen. Gerne verzichten wir auf den Umstand früher oder später wieder ein kleines Feuer unter dem Motorblock entfachen zu müssen um den Lkw zu starten und versuchen so schnell es geht weiter in den Süden in wärmere Gefilde zu kommen. Nur sehr selten begegnen uns zu dieser Jahreszeit andere Wohnmobilisten in dieser Gegend und so sind wir auch im Monument Valley fast die einzigen Besucher. Auf holprigen Sandwegen geht es durch das Tal, vorbei an Tafelbergen, die wahrhaftig wie riesige Denkmäler aus der sonst flachen Wüstengegend ragen.

Monument Valley Mesa

Man könnte meinen, Winnetou käme gleich um die nächste Kurve geritten, so vertraut erscheint einem die Landschaft aus den bekannten Wildwest-Filmen. Und tatsächlich befindet sich das Monument Valley im größten Indianerreservat des Landes, es gehört zum Gebiet der Navajo Indianer. Wer möchte kann die Gegend auf dem Rücken von Pferden entdecken, sich einmal im Leben wie ein richtiger Indianer fühlen, über die Weite der Steppe galoppieren und im traditionellen Erdhaus übernachten – während die zeitgenössischen Indianer überwiegend in ausrangierten Wohnwägen hausen und lieber ihrem Pick-up Truck als dem Kaltblut die Sporen geben. Und auch wir fahren lieber weiterhin mit dem Wohmobil als im Planwagen dem Sonnenuntergang entgegen.

Monument Valley

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USA. Las Vegas – Fast Millionäre.

08. Februar 2012 • Kategorie: Reiseberichte Amerika • Kommentare: Kommentare deaktiviert

Auf nach Nordamerika – in München steigen wir gespannt auf die kommenden Monate und voll freudiger Erwartung in den Flieger in Richtung Westen. Die erste Nacht unseres dritten Reiseabschnitts verbringen wir in einer Ecke der Wartehalle im Flughafen von Los Angeles auf einem nach Urin riechenden Teppichboden. Die erste Nacht dauert bis knapp 4 Uhr morgens, geweckt vom bedrohlichen Dröhnen des Staubsaugers, mit dem das Reinigungspersonal den Boden zentimetergenau um uns herum vom Schmutz des Vortages befreit. Reisealltag, da sind wir wieder!

Die zweite Nacht wird schließlich angenehmer und länger, nach dem Weiterflug in Richtung Las Vegas lässt uns die Kombination aus Zeitverschiebung und Übermüdung 19 Stunden durchschlafen. Nun wollen wir unseren Wiedereinstieg in die Staaten mit zwei Tagen Vegas beginnen, bevor wir unseren Lkw in St.George abholen werden.

Cow Girl Vegas

Las Vegas, diese verrückt bizarre Stadt, die volle Dosis kunterbunt absurdes Amerika hatte uns schon bei unserem ersten Besuch fasziniert. Jedes Hotel birgt seine eigene Welt. Diesmal streifen wir durch die Straßenzüge und Gassen von Paris, über den Markusplatz von Venedig, sogar die Kanäle mit ihren Gondeln und singenden Gondoliere findet man hinter einer unauffälligen Türenreihe im ersten Obergeschoss eines Hotels am Las Vegas Boulevard.

Die Strassen von Paris

Canal Grande Las Vegas

Nun bleibt noch eins zu tun in Vegas: Spielen. Wir steifen von Casino zu Casino, doch irgendwie will uns keines gefallen. Schließlich landen wir zwischen den Spieltischen des Casinos im Erdgeschoss unseres Hotels. Letzter Abend, letze Chance, unsere Glückszahl für den heutigen Tag auf die wir setzen wollen lautet 31, das steht bereits fest. Na dann, worauf warten wir noch!

Alles oder Nichts

Dutzende Karten- und Würfeltische, hunderte der monoton klingelnden Einarmigen Banditen, die immerzu hektisch in allen Farben des Regenbogens blinken. Wir streifen durch das endlos erscheinende Casino. Da, na also, endlich ein Roulettetisch. Ein kurzer Blick auf die Anzeigetafel der letzten Gewinnerzahlen. 8, 14, 0, 27, 16 und als letzte Zahl kam die 31. Mist! Zu spät. Ein einziges Spiel früher hätten wir hier sein müssen. Verdammt! Nochmal kommt sie jetzt nicht gleich wieder. Also auf zum nächsten Tisch. Daran sitzen zwei Herren im Anzug und zwei Rentnerinnen mit Hochsteckfrisuren, daneben zieht ein Cowboy mit Schlapphut an seiner Zigarre und verteilt seine Chips auf dem Spielbrett, der Croupier sortiert die vielen bunten Cips vom vorhergehenden Spiel. Ein Blick auf die Anzeigetafel der vergangenen Spiele: 22, 28, 3, 10, letztes Spiel 34, vorletztes Spiel 31. Das gibt’s doch nicht! Wieder knapp zu spät. Zwei Minuten früher und mit der 31 wären wir auch hier genau richtig gelegen. Was für ein Zufall. Gleich nochmal die 31 hier an diesem Tisch? Eher nicht. Versuchen wir es dort hinten, da steht noch ein Rouletttisch. Jetzt soll es aber dann endlich sein. Ein paar Schritte durchs Casino. Überall klappern die Chips auf den Tischen, das Klingeln der Automaten rundrum. Ein Blick auf die Anzeigetafel am neuen Tisch. 33, 9, 00, 7, 19, passt. Ein Platz am Tisch ist auch noch frei. Noch läuft die Kugel um das Rad, der Croupier zeigt mit einer Handbewegung an, dass alle Wetteinsätze gemacht wurden, ‘No more bets’, rien ne va plus, nichts geht mehr. Noch stehen wir hinter den Stühlen, warten bis die laufende Runde zu Ende ist. Beim nächsten Spiel können wir zwischen dem jungen Mann mit dem Baseballcap und dem Herren im dunklen Anzug Platz nehmen und unser Glück versuchen. Aber noch läuft die Kugel für diese Runde, sie fängt an auf der Scheibe kreuz und quer zu springen, taumelt hin und her, hüpft schließlich auf die Gewinnerzahl. Schwarz, 31. So, Schluss, wir gehen jetzt ins Bett.

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Deutschland. Auf zur dritten Etappe.

03. Februar 2012 • Kategorie: Reisepause • Kommentare: Kommentare deaktiviert

Seit wir unser Fahrzeug in den USA abgestellt hatten, um kurz nach Deutschland zurückzukehren, sind nun bereits wieder zehn Wochen vergangen. Mit Erholung hatte unser „Heimaturlaub“ auch dieses Jahr wenig zu tun, aber diese Erfahrung kannten wir bereits vom letzten Jahr. Weihnachtsmarkt, Diashows, Freunde und Familie, für alles war die Zeit knapp.
Noch ehe die letzte Diashow über die Bühne ist, müssen alle Ersatzteile bestellt, Reiseliteratur zusammengestellt und der Rucksack schon einmal in Gedanken gepackt werden. Und dennoch möchte man jede Minute zu Hause in vollen Zügen genießen und nicht mit dem Kopf schon wieder in die Ferne schweifen.

Diashow Musikomm 2012
Wir freuen uns ganz besonders über das großes Interesse an unseren Diashows, über die vielen Besucher, die Lust hatten, sich mit uns noch einmal auf die Reise der vergangenen Monate zu begeben. Kaum haben wir die letzten Fragen beantwortet, hat der letzte Gast den Veranstaltungssaal verlassen, beginnt für uns Endspurt. Abbauen, Aufräumen, Sortieren, Packen und Verabschieden, wobei wir beim leidigen Thema wären. Jeder Aufbruch ist immer auch ein Abschied von geliebten Menschen und selbst beim dritten Mal ist dies nicht unbedingt einfacher.
Nichtsdestotrotz freuen wir uns auf die kommenden Monate, auf den Süden der USA, auf Mexiko, Mittelamerika und Südamerika. Eine spannende Etappe steht uns bevor: Unbekannt, abwechslungsreich und sicher wieder voller Überraschungen.
Wir werden von unserem Erlebnissen ab sofort wieder regelmäßig hier im Blog berichten. Jetzt aber auf zur dritten Etappe, das Flugzeug wartet schon.

A340-600

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Amberg. Fernost und Fernwest – Die Premiere.

16. Januar 2012 • Kategorie: Reisepause • Kommentare: Kommentare deaktiviert

Geschafft! Nach zwei Monaten Vorbereitung ist es endlich soweit, die neue Diashow „Fernost und Fernwest“ über den zweiten Teil unserer Reise ist fertig. 30.000 Fotos der vergangenen 10 Monate sind gesichtet, geordnet, davon knapp über 1000 für die Show ausgewählt. Wieder war es eine schwierige Aufgabe die vielen Erlebnisse, Geschichten, Eindrücke von fast einem Jahr auf Reisen in knapp hundert Minuten zu raffen. Das Ziel war, eine Diashow zusammen zu stellen, die den Zuschauer unsere Reise selbst miterleben lässt, die bereisten Länder aus unserem Blickwinkel darstellt, so wie wir sie auf der Reise erfahren haben.

Premiere

Am vergangenen Freitag dann die Premiere im Musikomm Amberg. Freitag der 13te, was für ein Tag für eine Premiere. Ausverkauftes Haus, das Musikomm voll bis auf den letzten Platz und wir waren ebenso gespannt wie das Publikum, was uns an diesem Abend wohl erwarten wird. Zwei Stunden später war die Premiere überstanden, alles lief bestens, die Anspannung der letzten Tage fällt uns von den Schultern.

Jetzt freuen wir uns auf die kommenden Veranstaltungen am 16. und 17.1. in Regensburg, tags darauf in Elbart und wieder einen Tag später am 19.1. im Lindenkeller in Freising. Am 21.1. nochmal mit dem ersten Teil der Reise „Bis ans Ende der Welt“ in Amberg und nach dem Finale mit „Fernost und Fernwest“ am 28.1 im Musikomm bleibt genau noch ein Tag zum Luftholen und Durchatmen, bis wir am 30. Januar schon wieder im Flieger Richtung USA sitzen. Von Heimat-“urlaub“ kann mal wieder keine Rede sein, aber wir haben es uns ja schließlich selbst so ausgesucht.

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Termine: Diashows im Januar 2012

22. Dezember 2011 • Kategorie: Veranstaltungen • Kommentare: Kommentare deaktiviert

Mi  04. Januar 2012  – Regensburg  -  Turmtheater  –   Bis ans Ende der Welt

Fr   13.  Januar 2012 - Amberg –   Musikomm Fernost und Fernwest

Mo 16. Januar 2012  -  Regensburg  -  Turmtheater  –   Fernost und Fernwest

Di   17. Januar 2012  -  Regensburg  -  Turmtheater  –   Fernost und Fernwest

Mi  18.  Januar 2012 Elbart -   Kulturscheune Fernost und Fernwest

Do 19.  Januar 2012 Freising -   Lindenkeller -   Fernost und Fernwest

Sa 21.  Januar 2012 - Amberg –   Musikomm Bis ans Ende der Welt

Sa 28.  Januar 2012 - Amberg –   Musikomm Fernost und Fernwest

(VVK der Tickets für Amberg über den Ticketservice der Amberger Zeitung in der Mühlgassse 2 oder im Café Baroco am Viehmarkt 11)

(VVK der Tickets für Regensburg über www.okticket.de)

(VVK der Tickets für Freising bei der Freisinger Touri-Info am Marktplatz, Tel. 08161/54-44102)

Weitere Informationen zu den Diashows gibt es hier auf der Webseite.


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