Bequem sitzen – Teil 1

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Der Rücken schmerzt und die Ohren dröhnen, wenn wir nach sechs oder acht Stunden Fahrt aus Paulas vierzig Jahre alter Fahrerkabine klettern. Unsere bisherige Lösung? Ohrstöpsel und ein Stückchen Schaumstoff, zugeschnitten und ins Kreuz gestopft.

Auf dem Sommertrip durch Polen ist uns einiges klar geworden: Ja, wir haben immer noch richtig Lust mit Paula unterwegs zu sein, gerne auch wieder auf einer längeren Reise – aber…

1 …wir wollen uns keine Gedanken mehr über abgefahrene oder kaputte Reifen machen müssen,

2 …wir wollen uns entspannt im Fahrerhaus unterhalten und vielleicht sogar mal Musik hören können,

3 …wir wollen endlich bequem sitzen und unsere Wirbelsäule nicht weiterhin mit jedem Kilometer schädigen.

Ein paar „aber“ gäbe es noch, aber wir wollen ja realistisch bleiben.

Punkt 1 ließ sich sofort in die Tat umsetzen. Paula bekam noch auf der Rückfahrt bei Fahrzeugtechnik Meyer in Mommenheim neue Reifen und passende Felgen.

Punkt 2 muss noch ein bisschen warten.

Punkt 3 führte uns nach einem Telefongespräch zu Perry ins niederländische Enschede.

„Wir haben 800 Sitze auf Lager. Wenn ihr keine passenden Sitze finden solltet, schenk ich euch welche!“, scherzte Perry am Telefon mit sympathisch holländischen Akzent.

Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und parken Paula wenige Tage später direkt vor seiner Werkstatt. „Kommt mit“, begrüßt uns Perry freundlich, „ich zeig euch mal die Sitze, oder wollt ihr erst mal ‘nen Kaffee?“. Perry ist groß, schlank, knapp sechzig und raucht bei jeder Gelegenheit.

Gespannt folgen wir ihm durch den Showroom in eine große Halle, in der Oldtimer und Motorräder auf neue Sitzbezüge warten und ein kleines Team von Mitarbeitern in Handarbeit Stoffe zuschneiden und Bezüge nähen.

„Kommt mit, hier geht’s lang.“ Eine Stiege führt auf eine weitläufige Empore, auf der sich das Lager befindet. Zur rechten ein Regal, indem sich Bezugsstoffe in allen Farben aus unterschiedlichen Materialien stapeln. Zur Linken reihen sich Sitze und Polsterauflagen. Perry nennt die Vor- und Nachteile der verschiedenen Modelle, erklärt, dass er Armlehnen und Gurte nachrüsten, dass er Sitz- und Rückenpolster ersetzen kann und je nach Wunsch den Stoff reinigt oder neu bezieht, wobei man die Wahl zwischen Originalstoff oder ausgefallener Sonderanfertigung hat. „Auch Stickereien sind möglich“, lacht Perry und zeigt uns mit einem Augenzwinkern das Auto seiner Frau, deren Name in die Kopfstütze gestickt ist.

Bei den Sitzen handelt es sich um gebrauchte Sitze aus Lkws und Bussen, die in regelmäßigem Turnus ersetzt werden. Bei Perry werden sie technisch überholt, gereinigt, neu gepolstert und bezogen. Bei extremen Rückenbeschwerden können sie individuell angepasst und auf Rezept verschrieben werden.

Wir sitzen ausgiebig Probe und sind uns letztlich einig – ein luftgefederter Schwingsitz von ISRI.
Aber passt der auch?
Kurzerhand bauen wir den aktuellen Fahrersitz aus und heben unseren Wunschsitz hinein. Er scheint gerade so zu passen. „Auf den alten Hockern seid ihr sechs Jahre um die Welt gefahren? Das glaub ich nicht“, lacht Perry, als er die alten Sitze sieht. Er gibt uns Tipps, was wir beim Einbau beachten sollen, bietet an, uns eine originale Konsole passender Höhe zuzusenden, sobald wir die genauen Maße kennen. Am liebsten würden wir sofort mit dem Einbau beginnen, doch erst müssen die Sitze überholt, neu gepolstert und auf unsere Wünsche hin angepasst werden.

Zwei Wochen später rollt ein Lieferwagen vor unsere Tür und zwei nagelneu wirkende Sitze kommen zum Vorschein. Zum Einbauen fehlt uns aktuell noch die Zeit, aber bis es soweit ist, dienen sie uns als gemütliche Fernsehsessel mit Kinofeeling. Es fehlt nur noch die Halterung fürs Popcorn.

– Anzeige – Solltet ihr auch auf der Suche nach bequemeren Sitzen sein und bei Perry vorbeischauen, richtet ihm Grüße von Sabine und Thomas von abseitsreisen aus. Perry hat ein Fabel für Reisefahrzeuge und hat zugesagt, unseren Overlander-Freunden 10% Rabatt auf seine Sitze zu gewähren. 

Hinweis: In unserem Blog schreiben wir ausschließlich über persönliche Erfahrungen. Dennoch müssen wir nach aktuellen Vorgaben alle neuen Beiträge, die einen Link zu einer Firma besitzen, als „Anzeige“ kennzeichnen.